Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Nasenspray-Sucht

Eine etwa 50 jährige Frau steht in der Natur und hat die Augen geschlossen. Sie hat beide Hände im Gesicht und führt sich ein Nasenspray in die Nase ein.

Abhängigkeit vermeiden

Husten, Schnupfen, grippaler Infekt: Die Erkältungswelle rollt. Abschwellende Nasensprays verschaffen mit einem Sprühstoß schnell Erleichterung und sorgen dafür, dass wir wieder frei atmen können. 

Doch es gibt einen Haken: Wird das Spray zu lange angewendet, kann es abhängig machen. Nach Schätzungen sind 100.000 bis 120.000 Menschen in Deutschland von einer Nasenspray-Sucht betroffen. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich viel höher.

Wir beleuchten im unserem Artikel, wie es zu einer Abhängigkeit kommt, welche Folgen sie für den Körper haben kann und wie eine Entwöhnung aussehen könnte.  

Wussten Sie schon, dass…

  • etwa 10.000 Liter Luft pro Tag unsere Nase durchströmen?
  • Die AOK Sachsen-Anhalt OTC-Medikamente mit bis zu 40 Euro je Kalenderjahr bezuschusst?
  • eine abwechslungsreiche Ernährung die Basis eines starken Immunsystems ist?

 

So wirken abschwellende Nasensprays

Bei einem Schnupfen produzieren die Schleimhäute mehr Sekret und schwellen an -  das Ergebnis ist eine verstopfte Nase. 
Abschwellende Nasensprays schaffen Abhilfe, indem sie ein Zusammenziehen der Blutgefäße an der Nasenschleimhaut bewirken. Grund dafür sind die enthaltenden Wirkstoffe Xylometazolin oder Oxymetazolin. So verringert sich die Blutzufuhr, das Gewebe schwillt ab und der Betroffene kann wieder durchatmen. 

Nasensprays mit Meerwasser

Neben abschwellenden Nasensprays gibt es auch Sprays auf Meerwasserbasis. Sie befeuchten die Nasenschleimhäute mit salzhaltigem Wasser. Der hoch dosierte Salzgehalt löst festsitzenden Schleim, der im Anschluss leichter ausgeschnaubt werden kann. Die Produkte werden gänzlich ohne chemische Wirkstoffehergestellt und führen deshalb sehr viel seltener zu einer Abhängigkeit. 

Vom Rebound-Effekt zur Sucht

Eine etwa 45-jährige Frau sitzt auf dem Sofa und benutzt Nasenspray

Kaufen Sie ein abschwellendes Nasenspray in der Apotheke, werden Sie sicher den Hinweis erhalten, es bei einer Verbesserung der Symptome wieder abzusetzen. Denn: Bei längerer Anwendung gewöhnt sich die Nasenschleimhaut an den enthaltenen Wirkstoff. Die eigentliche Wirkung des Medikamentes lässt nach  und es tritt der sogenannte Rebound-Effekt („Rückprall“) ein, was soviel wie „Rückprall“ bedeutet. 

In der Praxis heißt das, dass die Beschwerden zwar zunächst abklingen, aber schnell wiederkommen. Die Nase verstopft erneut und Betroffene greifen nach sehr kurzer Pause wieder zum Spray. Ein Teufelskreis entsteht.

Deshalb gilt: Verwenden Sie abschwellende Nasensprays und –tropfen immer nach Packungsanweisung und erkundigen Sie sich im Zweifelsfall in Ihrer Apotheke oder in Ihrer Hausarztpraxis. Grundsätzlich sollte das Spray nach einer Woche, spätestens nach zehn Tagen wieder abgesetzt werden.  

Anzeichen einer Nasenspray-Sucht

Ein etwa 35 jähriger Mann hat nasenspray in der Hand und schaut aufs Etikett.
  • Sie greifen oft mehrmals täglich zum Nasenspray, über den empfohlenen Zeitraum hinweg.
  • Die Symptome verbessern sich durch die Nutzung des Sprays nicht oder nur kurz.
  • Sie haben die Dosis im Laufe der Zeit erhöht um den gewünschten Effekt zu erhöhen.
  • Sie wachen nachts durch Ihre verstopfte Nase auf.
  • Das Nasenspray ist täglicher Begleiter, auch beim Verlassen des Hauses.
  • Sie haben Angst, ohne Benutzung des Nasensprays in Atemnot zu geraten.
  • Erkältungssymptome treten immer wieder erneut auf.
  • Sie haben häufig Nasenbluten und die Nasenschleimhaut fühlt sich trocken an.

Folgen

Durch die chemischen Inhaltsstoffe des Sprays trocknen die Nasenschleimhäute aus, bilden Risse und bluten leichter. Die auf Dauer gereizte Schleimhaut wird dünner und kann ihrer Abwehrfunktion nicht mehr nachkommen. Erreger wie Viren und Bakterien haben leichtes Spiel, wodurch erneute Infektionen begünstigt werden. Erkältung und Schnupfen beginnen von vorn. Auch die winzigen Flimmerhärchen im inneren der Nase können zerstört werden.  

Eine Nasenspray-Abhängigkeit wirkt sich manchmal auch psychisch aus. Betroffene haben das Gefühl, ohne das Medikament nicht mehr frei atmen zu können und spüren vermehrt Einschränkungen im Alltag.  

"Stinknase"

Sind die Schleimhäute bereits über einen längeren Zeitraum geschädigt, droht außerdem eine sogenannte „Stinknase“. Dabei breiten sich Keime auf dem rissigen Gewebe aus und verströmen einen fauligen Geruch. Dieser wird vom Betroffenen selbst meist nicht wahrgenommen, vom Umfeld jedoch schon. Die Stinknase, fachlich auch Ozäna genannt, ist nicht heilbar. Die Symptome lassen sich durch Nasenspülungen mit Salzlösungen und Salben lediglich verringern.

Nasenspray-Sucht bekämpfen

Sollten Sie bei sich Anzeichen für eine Abhängigkeit feststellen, suchen Sie Beratung in einer HNO-Arztpraxis. Auch wer länger als eine Woche mit einer verstopften Nase zu kämpfen hat, sollte ärztliches Fachpersonal aufsuchen. Dort kann abgeklärt werden, ob dem starken Schnupfen eine Allergie oder eine vergrößerte Nasenmuschel zugrunde liegt. Beide Krankheiten können nicht mit Nasenspray behandelt werden und verlangen nach einer speziellen ärztlichen Behandlung.

Tipps zur Entwöhnung

Ein etwa 40-jjähriger Mann lässt seine Nase von HNO-Ärztin untersuchen.

Eine Sucht zu bekämpfen, bedeutet immer viel Willensstärke und bedarf manchmal auch fremder Hilfe. Welche Möglichkeiten es gibt, haben wir für Sie zusammengefasst.

"Kalter Entzug"
Bei dieser Methode lassen Sie das Nasenspray von heute auf morgen einfach weg. Was zunächst einfach klingt, bedarf viel Willensstärke bei Betroffenen. Jedoch erholen sich die Nasenschleimhäute auf diese Weise schnell von allein. Sollten allerdings bereits gesundheitliche Schäden durch die Abhängigkeit entstanden sein, ist eine Begleitung des Entzugs durch Ihr vertrautes ärztliches Fachpersonal ratsam. 

Ein Mann steht in der Apotheke und wird von einer Apothekerin beraten. Sie reicht ihm eine Medikamentenverpackung über den Thresen und lächelt dabei.

Ein-Loch-Methode
Um den Effekt der Atemnot abzumildern, kann man in den ersten Tagen das Nasenspray nur einseitig einsprühen. So bleibt ein Nasenloch frei, während das andere entwöhnt wird. Lässt bei diesem die Verstopfung nach, kann auch das andere Nasenloch entwöhnt werden.

Dosis bzw. Wirkstoff reduzieren
Bei dieser Variante verwenden Sie Nasenspray für Säugling und Kinder bis 6 Jahre. Benutzen Sie das Spray wie gewohnt, ohne die Häufigkeit zu erhöhen. Durch den geringeren Anteil an Wirkstoffen, entwöhnen Sie Ihre Nase mehr und mehr. Möglich ist es auch, das bisher genutzte Nasenspray durch ein Meerwasserspray ersetzen. 

 

Nasenschleimhaut pflegen

Salben und Sprays mit  Dexpanthenol helfen, gereizte Nasenschleimhaut zu befeuchten und zu beruhigen. Solche Sprays können vom ärztlichen Fachpersonal auf grünem Rezept verschrieben und über Ihr GESUNDESKONTO erstattet werden. 

Gut zu wissen

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