Eine etwa 50 jährige Frau steht in der Natur und hat die Augen geschlossen. Sie hat beide Hände im Gesicht und führt sich ein Nasenspray in die Nase ein.
Gesundheitswelt der AOK Sachsen-AnhaltNasenspray-Sucht

Wahrscheinlich hat sich jeder von uns schon einmal aufgrund eines Schnupfens in die Apotheke begeben. Dort wird uns bei einer verstopften Nase meist ein abschwellendes Nasenspray empfohlen, welches jedoch maximal eine Woche lang angewendet werden soll. Denn bei längerer Anwendung kann es abhängig machen.

Welche Gefahren bei zu häufiger Anwendung abschwellender Nasensprays drohen und wie Sie die Abhängigkeit besiegen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wussten Sie schon, dass…

  • etwa 10.000 Liter Luft pro Tag unsere Nase durchströmen?
  • Experten von etwa 1 Million Nasenspray-Abhängigen in Deutschland ausgehen?
  • eine dauerhafte Nutzung dieses Mittels zu irreparablen Schäden in der Nase führen kann?

Der Wirkung des Nasensprays

Etwa 10.000 Liter Luft durchströmen unsere Nase jeden Tag. Die Nasenschleimhaut ist dabei für die Reinigung, Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft verantwortlich. So werden Fremdstoffe wie Staub, Schmutz und Erreger in der Luft herausgefiltert und abtransportiert. Manchmal passiert es dennoch, dass Erkältungsviren einen Schnupfen auslösen.

Bei einem Schnupfen produzieren die Schleimhäute mehr Sekret und schwellen an, was zu einer verstopften Nase führt. Abschwellende Nasensprays schaffen Abhilfe. Sie bewirken, dass sich die Blutgefäße an der Nasenschleimhaut zusammenziehen. Dadurch verringert sich die Blutzufuhr, das Gewebe schwillt ab und der Benutzer kann wieder frei atmen.

Eine Abhängigkeit entsteht schnell

Eine etwa 30 jährige Frau sitzt mit einer Decke über den Schultern auf einem Sofa in einem Wohnzimmer. Die Frau schaut zweifelnd auf ein Nasensprays und schnäuzt sich parallel die Nase.

 

Eine Überschreitung der empfohlenen Anwendung von sieben Tagen hat zur Folge, dass sich die Nasenschleimhaut an die Wirkstoffe des Sprays gewöhnt und das sogenannte Rebound-Phänomen tritt ein. Dabei schwellen die Schleimhäute erneut stark an, sobald die Wirkung des Nasensprays nachlässt. Es lindert die Beschwerden, erhält sie aber gleichzeitig aufrecht. Ein Teufelskreis entsteht.

Schwerwiegende Folgen

Ein etwa 35 jähriger Mann lässt sich von einer Ärztin an der Nase untersuchen.

Schätzungsweise sind in Deutschland 100.000 bis 120.000 Menschen betroffen. Experten gehen sogar von 1 Million Abhängigen aus, die ihrer Gesundheit dadurch erheblich schaden. Durch die chemischen Inhaltsstoffe des Sprays trocknen die Nasenschleimhäute aus, bilden Risse und bluten leichter. Die auf Dauer gereizte Nasenschleimhaut kann ihrer Abwehrfunktion somit nicht mehr nachkommen. Erreger wie Viren und Bakterien haben dadurch leichtes Spiel, in die Nase einzudringen, wodurch erneute Infektionen begünstigt werden. 

Da Nasensprays auch die Knorpel angreifen, kann in einem fortgeschrittenen Stadium der Sucht sogar ein Loch in der Nasenscheidewand entstehen. Kommt es durch die geschädigten Schleimhäute zu einem starken Keimbefall, droht außerdem eine sogenannte „Stinknase“.Dabei bilden die in den Rissen angesiedelten Bakterien einen fauligen Geruch. Dieser wird vom Betroffenen selbst meist nicht wahrgenommen, vom Umfeld jedoch schon. Die im medizinischen Bereich genannte Ozäna ist nicht heilbar. Die Symptome lassen sich durch Nasenspülungen mit Salzlösungen und Salben lediglich verringern.

Die Sucht erkennen und behandeln 

Wenn Sie wissen möchten, ob bei Ihnen eventuell eine Abhängigkeit besteht, sollten Sie sich die folgenden Fragen stellen:

  • Ist Ihre Nase bereits wenige Stunden nach der Benutzung des Sprays wieder verstopft?
  • Fällt Ihnen das Einschlafen ohne die Anwendung des Mittels schwer bzw. ist es Ihnen gar nicht möglich?
  • Ist es Ihnen kaum möglich, das Haus ohne dieses Medikament zu verlassen?
  • Dauert eine gewöhnliche Erkältung bei Ihnen länger als 10 Tage?

Wenn Sie mindestens einer der Fragen zustimmen müssen, ist dies ein erstes ernstzunehmendes Anzeichen für eine Nasenspray-Sucht.

Um dauerhafte Schäden zu vermeiden und für eine Regeneration der Schleimhäute zu sorgen, muss die Nutzung von abschwellenden Nasensprays unbedingt gestoppt werden. Je nach Entwöhnungsmethode und Dauer der Abhängigkeit können Entzugserscheinungen 2 bis 3 Wochen anhalten, aber auch bereits nach wenigen Tagen abklingen. Neben einem kalten Entzug, der langjährigen Anwendern eines solchen Sprays oft schwerfällt, haben wir drei Methoden für Sie zusammengestellt:

Eine etwa 30 jährige Frau sitzt auf einem Sofa und hat die Beine nach oben gelegt. Sie lehnt nach hinten, hat ihre Arme hinter dem Kopf verschränkt und die Augen geschlossen.

Reduzierung der Dosis
Bei dieser Methode füllen Sie ein halbleeres Fläschchen mit der Flüssigkeit eines anderen Nasensprays auf Salzbasis auf. Ist es wieder halb leer, wird es erneut aufgefüllt. Neben der Reduzierung von schädigenden Inhaltsstoffen haben die Salze einen befeuchtenden Effekt auf die Nasenschleimhaut und wirken außerdem entzündungshemmend.

Ein-Loch-Methode
Was die Entwöhnung für viele Betroffene schwermacht, ist die massiv verstopfte Nase und die Angst, keine Luft mehr zu bekommen. Um diesen Effekt abzumildern, kann man in den ersten Tagen das Nasenspray nur einseitig einsprühen, sodass ein Nasenloch frei bleibt, während das andere entwöhnt wird. Lässt bei diesem die Verstopfung nach, kann auch das andere Nasenloch entwöhnt werden.

Ein Mann steht in der Apotheke und wird von einer Apothekerin beraten. Sie reicht ihm eine Medikamentenverpackung über den Thresen und lächelt dabei.

Ersatz durch Pflegesprays
Pflegende und befeuchtende Mittel machen Ihnen die Entwöhnung angenehmer. Pflegesprays mit Inhaltsstoffen aus der Natur eignen sich gut, da enthaltene Hyaluronsäure große Mengen an Wasser bindet und an der Nasenschleimhaut haften kann. So wird die gereizte Partie befeuchtet und zusätzlich mit Hilfe von Dexpanthenol beruhigt. Verkrustungen lösen sich und die Nase wird nach und nach freier. Bei Pflegesprays gibt es keinen Rebound-Effekt, weshalb sie dauerhaft eingesetzt werden können. Verschriebene OTC-Medikamente können Sie sogar bei uns einreichen. Wir bezuschussen diese mit bis zu 
40 Euro jährlich.

Sollten Sie feststellen, dass bei Ihnen eine Abhängigkeit besteht, ist es ratsam, die Beratung einer HNO-Arztpraxis in Anspruch zu nehmen. Auch wer länger als eine Woche mit einer verstopften Nase zu kämpfen hat, sollte ärztliches Fachpersonal aufsuchen. Dort kann abgeklärt werden, ob dem starken Schnupfen eine Allergie oder eine vergrößerte Nasenmuschel zugrunde liegt. Beide Krankheiten können nicht mit Nasenspray behandelt werden und verlangen nach einer speziellen ärztlichen Behandlung.

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