Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Stillen

Frau mit ihrem Baby gemütlich im Bett.

Stillen -  die natürliche Ernährung für Ihr Baby

Stillen ist in der Regel die erste Ernährungsform und zeitgleich die natürlichste Versorgung von Babys. Denn Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe. Stillen stärkt außerdem die Bindung zwischen Mutter und Kind. Allerdings können sich auch Stillschwierigkeiten einstellen, so dass das Stillen nicht immer auf Anhieb oder gar nicht klappt. Für diese Fälle gibt es zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten und auch geeignete Alternativen zum Stillen.

In unseren Beitrag erfahren Sie, welche Vorteile das Stillen mit sich bringt. Außerdem informieren wir über eintretende Stillprobleme und geben einen Überblick über Hilfsmittel, die das Stillen erleichtern.

Wussten Sie schon, dass…

  • knapp vier Prozent der Schwangerschaften in Deutschland Mehrlingsschwangerschaften sind?
  • Sie bei jeder Schwangerschaft Anspruch auf eine Hebamme haben?
  • Zwillinge durchschnittlich 2500g bei der Geburt wiegen?

Babys von Geburt an gesund ernähren

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Babys haben einen angeborenen Saugreflex, so dass sie unmittelbar nach der Geburt gestillt werden können. Dabei ist der erste Hautkontakt zwischen Mutter und Kind sehr wichtig. Zusätzlich regt das Saugen bei der Mutter die hormongesteuerte Milchbildung an. Im Allgemeinen gilt die gesamte Stillzeit als eine sehr intime und auch beruhigende Zeit. Ein Baby kann nach Bedarf mindestens acht bis 12 Mal am Tag angelegt werden. Dadurch bleibt die Produktion der Muttermilch in Bewegung, die hauptsächlich durch das Hormon Prolaktin gesteuert und durch das Saugen an der Brust freigesetzt wird. 

Wie lange stillen?

68 Prozent der Mütter stillen nach der Geburt voll. Der Anteil sinkt jedoch mit zunehmenden Lebensalter des Säuglings. Nach vier Monaten stillen noch 40 Prozent.  Mit der Beikost sollte frühestens nach dem vollendetem vierten Monat und spätestens mit Beginn des siebten Monats begonnen werden. Mütter können ihre Kinder parallel weiterstillen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt ausschließlich in den ersten sechs Monaten zu stillen. 

Vorteile des Stillens für Mutter und Kind

  • Vorteile für das Baby

    In der Muttermilch sind alle notwendigen Nährstoffe enthalten, die das Baby für eine gesunde Entwicklung benötigt. Die enthaltenden Antikörper schützen vor Krankheiten und Infektionen. Das Saugen an der Brust fördert die Entwicklung von Kiefer und Zähnen. Stillen kann ebenfalls das Risiko des plötzlichen Kindstod SIDS senken. Auch das Risiko für spätere gesundheitliche Probleme wie Übergewicht, Diabetes, Asthma und Allergien beim Baby verringern sich.

  • Vorteile für die Mutter

    Stillen unterstützt die Rückbildung der Gebärmutter, mindert das Risiko für postnatale Depressionen sowie für Brust- und Eierstockkrebs. Außerdem ist Stillen eine bequeme und kostengünstige Art der Ernährung, da die Muttermilch immer verfügbar und richtig temperiert ist. Es hilft außerdem, schneller Schwangerschaftskilos zu verlieren.

Was ist in Muttermilch enthalten?

Muttermilch enthält überwiegend Wasser, Milchzucker und andere Kohlenhydrate, die schnell Energie fürs Baby liefern. Weitere Bestandteile sind Fette, Proteine, Vitamine und Mineralstoffe. Fettsäuren wie die sogenannte Docosahexaensäure DHA sind in der Muttermilch enthalten und besonders wichtig für die Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems. Bestimmte Enzyme sind ebenfalls Bestandteil, die die Verdauung von Babys fördern und helfen, Nährstoffe aus der Nahrung effektiver aufzunehmen. Die Zusammensetzung der Muttermilch verändert  und passt sich an kindliche Bedürfnisse an. In den ersten Tagen nach der Geburt enthält Muttermilch mehr Kolostrum, das besonders reich an Antikörpern und anderen Immunsubstanzen ist. In den nachfolgenden Monaten enthält Muttermilch mehr Anteile an Fett und Kohlenhydraten, die Energie für Wachstum liefern.

Hat die Ernährung der Mutter Einfluss auf die Milch?

Nahaufnahme einer FRau, die Salat zubereitet.

Während der Stillzeit ist eine gesunde Ernährungsweise wie eine gesunde Mischkost aus Eiweiß, frischem Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten empfehlenswert. Auch Milch und andere Milchprodukte dürfen auf dem Speiseplan stehen. Ernähren sich Mütter vegetarisch oder vegan, sind vitamin- und mineralstoffhaltige Lebensmittel wichtig. Es ist sinnvoll, während der gesamten Stillzeit auf Alkohol zu verzichten. Gut ist auch, den Kaffeekonsum auf maximal zwei kleine Tassen am Tag zu reduzieren. Nach aktuellen Erkenntnissen gibt es keine Notwendigkeit während der Stillzeit auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, um beispielsweise Blähungen oder einen wunden Po beim Baby zu vermeiden.

Nützliche Hilfsmittel beim Stillen

Einigen Müttern fällt das Stillen anfangs nicht leicht. Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die den Vorgang erleichtern und so für mehr Entspannung, Wohlbefinden und Schmerzlinderung bei der stillenden Mutter sorgen.

  • Fußbank oder Fußhocker

    Die erhöhte Position der Beine hilft, bequemer zu sitzen. Durch die angenehme Sitzposition können Sie entspannter Stillen.

  • Nackenkissen und Stillkissen

    Kissen unterstützen das Halten des Babys, da Rücken und Arme entlastet werden. 

  • Silberhütchen

    Silberhütchen helfen bei der natürlichen Wundheilung entzündeter Brustwarzen. Außerdem schützen sie die Brustwarzen vor äußerlichen Einwirkungen wie Abknicken oder Reibung.

  • Brustwarzenformer

    Brustwarzenformer können bei Hohl- oder Flachwarzen sinnvoll sein. Die Former bereiten die Brustwarzen auf das Stillen vor, indem sie für ein schrittweises Herausziehen der Burstwarzen sorgen.

  • Stillhütchen

    Stillhütchen erleichtern das Saugen des Babys an der Brustwarze. Allerdings sind Stillhütchen umstritten, da Säuglinge falsche Saugmuster erlernen und es so möglicherweise zur sogenannten Saugverwirrung kommt.

(Elektrische) Milchpumpe

Mutter sitzt mit ihrem Neugeborenen auf einem Sessel in ihrem Wohnzimmer. Neben ihr steht eine Milchpumpe auf dem Tisch.

Mithilfe einer elektrischen oder handbetriebenen Milchpumpe wird direkt aus der Brust Muttermilch oder Restmilch abgepumpt. Das manuelle Abpumpen ist für Stillende meist mühselig und empfiehlt sich für ein gelegentliches Abpumpen. Die elektrische Milchpumpe ist für dauerhaftes Abpumpen geeignet. Durch das Abpumpen wird das Saugverhalten des Babys nachgeahmt. Die Milchproduktion wird somit weiter angeregt. Hygiene ist dabei sehr wichtig. Die Reinigung der Pumpe ist nach jeder Benutzung sinnvoll. Silikonaufsätze sollten abgekocht oder mithilfe eines Dampfreinigers für Babyutensilien gereinigt werden.

Liegt eine medizinische Notwendigkeit und eine ärztliche Verordnung vor, übernimmt die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für die elektrische Milchpumpe und das nötige Zubehör. Stillende Mütter sollten dabei beachten, dass das Rezept regelmäßig durch ihre behandelnde Frauenarztpraxis erneuert werden muss.

Probleme beim Stillen

Die Gründe für Probleme beim Stillen können beispielsweise Unsicherheit, Ruhelosigkeit, Unwissenheit oder der Angst sein. Schwestern auf der Geburtsstation geben in der Regel eine erste Hilfestellung. Während des Wochenbetts kann die Hebamme bei Schwierigkeiten unterstützen. Auch eine externe Stillberatung mit entsprechender Zertifizierung können Stillende aufsuchen. Mit zunehmenden Alter des Babys können auch Wachstumsschübe oder Zahnen Auslöser für Stillprobleme sein.

  • Milchstau

    Das erste Anzeichen eines Milchstaus sind geschwollene oder gerötete Brüste, harte Stellen oder eine Druckempfindlichkeit. Ursachen sind häufig, dass die Brust beim Stillen nicht ausreichend geleert wird oder übermäßig Milch produziert. Oftmals kann auch Stress Auslöser sein, so dass der Milchspendereflex beeinträchtigt ist.

    Betroffene Mütter sollten daher ihr Baby alle anderthalb bis zwei Stunden anlegen. Vielen Müttern hilft in diesen Momenten, sich zu entspannen. Stressfaktoren wie Haushalt und Termine sollten erst einmal keine Rollen spielen. Auch das Wärmen der Brust vor dem Stillen kann helfen. Dafür eignen sich beispielsweise warme Brustwickel oder warme Duschen. Befindet sich noch Restmilch in der Brust, können Stillende diese vorsichtig ausstreichen oder abpumpen.

  • Entzündete Brustwarzen

    Zu Beginn des Stilles sind leicht gereizte Brustwarzen normal. Auch gelegentlich leichte Schmerzen im weiteren Stillverlauf sind unbedenklich. Haben stillende Mütter Schmerzen, sollte das Baby von der Brust abgelöst und neu angelegt werden. Um das Ablösen zu erleichtern, hilft es den kleinen Finger in den Mundwinkel des Babys zu schieben. Haben Mütter stärkere Schmerzen, kann es auch häufig an der falschen Stillposition liegen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn das Baby nur an der Brustwarze nuckelt und den Brustwarzenvorhof mit seinem Mund nicht vollständig erfasst. Das trifft auch zu, wenn der Mund des Babys nicht ausreichend geöffnet ist und das Baby den Kopf verdrehen muss, um die Brust zu erreichen. Löst der Stillvorgang dauerhafte Schmerzen aus, ist ein Besuch der gynäkologischen Praxis oder ein Gespräch mit der Hebamme sinnvoll. Dabei wird die Brustwarze auf minimale Verletzungen untersucht, um Infektionen für Mutter und auch Kind zu verhindern. Milchreste nach dem Stillen an der Brust antrocknen zu lassen, kann weiter Abhilfe schaffen. Denn Muttermilch hat eine ähnliche Wirkung wie Wundsalbe. Auch trockene Stilleinlagen oder das Trocknen der Brustwarze an der Luft können helfen.

  • Brustdrüsenentzündung (Mastitis)

    Mastitis tritt meist in ersten beiden Wochen nach der Geburt auf. Dabei dringen Bakterien durch Milchporen oder minimale wunde Stellen in das Brustdrüsengewebe ein. Anzeichen einer Brustdrüsenentzündung ist eine gerötete, geschwollene und schmerzempfindliche Brust. Fieber, Gliederschmerzen und das Gefühl der Abgeschlagenheit sowie eitriges Sekret an der Brustwarze sind ebenfalls Symptome. Besteht der Verdacht einer Mastitis, sollte schnellstmöglich ärztliches Fachpersonal aufgesucht werden. Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente werden nach ärztlicher Rücksprache verordnet. Mütter können trotzdem weiter stillen. In seltenen Fällen muss das Stillen bis zur Genesung unterbrochen und die dabei abgepumpte Muttermilch entsorgt werden.

Ausgewogene Ernährung auch mit Ersatzmilch möglich

Vater füttert seinen neugeborenen Sohn mit der Flasche.

Mütter entscheiden sich aus verschiedenen Gründen nicht zu stillen. Dabei ist Flaschenmilch aus Pulvernahrung ein unbedenklicher Ersatz für die Muttermilch. Die Kontrolle und Herstellung von Milchpulvernahrung erfolgt nach strengen, gesetzlich vorgeschriebenen EU-Richtlinien. Babys erhalten auf diesem Wege alle wichtigen Nährstoffe und Proteine. Das mit PRE gekennzeichnete Milchpulver ist das der Muttermilch am ähnlichsten. Die Dosierungs- und Zubereitungsempfehlungen des Herstellers sollten Eltern unbedingt beachten. Auch die Sorge nicht stillender Mütter keine Bindung zum Kind aufzubauen, ist unbegründet. Denn die intensive Nähe und das Vertrauen ist bei Flaschenmilch genauso möglich. Väter können dabei bei der Fütterung ihres Babys unterstützen. Intensive Kuscheleinheiten während des Fütterns helfen ebenfalls der Bindung zwischen Kind und Vater.

Alternativen zum Stillen

 

 So geht'sVorteilNachteile
Muttermilch mit Flasche zufütterno  Milch abpumpen und mit Flasche fütterno  Mutter hat Möglichkeit für stillfreie Zeit

o  kann in manchen Fällen zu Saugverwirrung führen

 

Löffelfütterung

 

o  ideal für Neugeborene in den ersten Tagen

o  Kolostrum (erste Muttermilch) wird aus Brust direkt auf Löffel gedrückt

o  Löffel an Mund des Babys halten und in Mund laufen lassen

o  Saugverwirrung durch Flasche wird vorgebeugt

o  wenn Kind nicht gestillt werden kann, erhält es trotzdem wertvolles Kolostrum

o  Löffel muss immer abgekocht werden

o  nicht jedes Kind bekommt so ausreichend Muttermilch

Becherfütterung

o  kann nach wenigen Tagen nach Geburt verwendet werden

o  Mutter kann abpumpen und Milch in kleinen Becher füllen

 

o  die meisten Kinder akzeptieren Becherfütterung

o  Erfolgsquote für späteres Stillen sehr hoch

o  Becher muss abgekocht werden
SoftCup

o  Flasche ohne Saugfunktion

o  sieht aus wie Spritze

o  wird an Lippe des Babys angelegt und Milch fließt in Mund

 

o  gut nutzbar für unterwegs

o  weniger Milch wird verschüttet

o  muss nach jeder Fütterung abgekocht werden

 

Zufütterung an der Brust

o  während das Kind an der Brust saugt und trinkt, wird über Spritze, Fingerfeder oder Schlauch vorher abgepumpte Milch zugeführt

 

o  Saugbedürfnis des Kindes wird gestillt

o  Nähe zur Mutter (Brust)

o  Kind schluckt mehr Milch als nur beim Stillen

o  mittlerweile gute Hilfsmittel

o  Schlauch muss aufwendig gereinigt werden (oder immer ersetzt)

o  Milch muss abgepumpt werden (trotz Stillens)

o  viel Geduld der Mutter erforderlich, denn es klappt nicht immer auf Anhieb

Reine Flaschenfütterung

o  Muttermilch oder PRE-Nahrung wird in Saugflasche gefüllt

 

o  Kind lernt trinken aus Flasche schnell

o  Mutter ist flexibler, da auch andere Füttern können

 

o  Baby gewöhnt sich schnell daran

o  Anderes Saugmuster als an der Brust

o  nur wenig Kieferbewegung, daher tritt Sättigung später ein

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