Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Quecksilbervergiftung

Eine etwa 30-jährige Frau schraubt eine Energiesparlampe in eine Fassung.

Quecksilbervergiftung erkennen und behandeln

Das Schwermetall Quecksilber wird seit Jahrhunderten in Handwerk, Industrie und Medizin eingesetzt. Es ist bereits in geringen Mengen gesundheitsschädlich. Deshalb ist der Einsatz mittlerweile in vielen Bereichen stark eingeschränkt.

Quecksilbervergiftungen können auch heute noch auftreten, sind jedoch selten. Besonders gefährdet sind Menschen, die beruflich mit dem Schwermetall in Kontakt kommen. Dazu gehören zum Beispiel Bergleute und Beschäftigte in der Chemie- und Metallindustrie. Häufig entstehen akute Vergiftungen durch Unfälle.

Worin ist Quecksilber heute noch enthalten? Wie äußert sich eine Quecksilbervergiftung? Und wie wird sie behandelt? In diesem Artikel erfahren Sie alles, was zu diesem Thema wichtig ist.

Wussten Sie schon, dass…

  • große Raubfische aufgrund ihrer langen Lebensdauer besonders viel Quecksilber anreichern können?
  • Sie offene Fragen rund um das Thema Gesundheit beim AOK-Clarimedis-Servicetelefon stellen können?
  • Quecksilber heute in vielen Alltagsprodukten durch sichere Alternativen ersetzt wurde?

Wie gelangt Quecksilber in den Körper

Quecksilber bedeutet „lebendes Silber“ und ist ein Schwermetall, das natürlich in der Umwelt vorkommt. Es istdas einzige Metall, das bei Raumtemperatur flüssig ist. Das Metall perlt von Oberflächen ab und kann toxische Dämpfe freigeben, die für den Menschen sehr giftig sind. Die Aufnahme in den Körper kann auf verschiedenen Wegen erfolgen.

  • Einatmen

    Die Aufnahme über die Atemwege ist der wichtigste Vergiftungsweg, insbesondere bei Unfällen oder dem Austritt größerer Mengen Quecksilber.

  • Nahrung

    Quecksilber gelangt unter anderem durch Emissionen aus Kohlekraftwerken und bestimmten Industrieprozessen in die Umwelt. Über Luft, Boden und Gewässer gelangt es in die Nahrungskette. Besonders hohe Quecksilbergehalte finden sich in großen Raubfischen wie Thunfisch, Schwertfisch oder Hai, da sich das Schwermetall entlang der Nahrungskette anreichert.

  • Hautkontakt

    Die Aufnahme über die Haut ist nur in sehr geringem Umfang möglich und spielt im Alltag praktisch keine Rolle.

Haben Sie Amalgamfüllungen, enthalten diese meist Quecksilber. Intakte Amalgamfüllungen gelten jedoch nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand als gesundheitlich unbedenklich. Die Anwendung von Amalgam ist seit dem 01. Januar 2025 in der europäischen Union und damit auch in Deutschland in der Zahnmedizin stark eingeschränkt.

Quecksilber heute: Einsatzbereiche und gesetzliche Begrenzungen

Nahaufnahme eines Thermometers.

Die Nutzung ist aktuell stark eingeschränkt oder bereits verboten. EU-Regulierungen begrenzen den Einsatz von Quecksilber in vielen Bereichen. Zum Schutz von Umwelt und Gesundheit wurden viele frühere Anwendungen von Quecksilber ersetzt. 

Quecksilberhaltige Produkte wie Blutdruck-messgeräte und elektrische Schalter werden heute kaum noch eingesetzt oder durch quecksilberfreie Alternativen ersetzt. Auch der Verkauf quecksilberhaltiger Thermometer ist in der Europäischen Union seit 2009 verboten.

In der Zahnmedizin werden Amalgamfüllungen in Europa zunehmend durch alternative Materialien ersetzt. Quecksilber kommt jedoch weiterhin in bestimmten Industrieprozessen, älteren Produkten und als Umweltbelastung vor.

Quecksilbervergiftung

akute Quecksilbervergiftung
Akute Beschwerden treten meist nach einer plötzlich auftretenden Belastung durch das Einatmen von Quecksilberdämpfen auf, beispielsweise nach Unfällen oder dem Zerbrechen quecksilberhaltiger Thermometer. 

Typische Symptome sind: 
Reizung der Atemwege mit Husten und Atemnot, Metallischer Geschmack im Mund, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber, Schüttelfrost

Bei einer hohen Quecksilberbelastung kann eine Vergiftung potenziell lebensbedrohlich sein und erfordert eine schnelle medizinische Behandlung. Bei frühzeitiger Therapie bestehen in der Regel gute Heilungschancen. Im Verdachtsfall sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen oder sich an ein Giftinformationszentrum wenden.
chronische Quecksilbervergiftung
Eine chronische Quecksilbervergiftung entsteht durch die langfristige Aufnahme kleiner Mengen Quecksilber. Eine langjährige berufliche Belastung oder Tätigkeiten in stark umweltbelasteten Regionen können das Risiko erhöhen. Mögliche Symptome sind:

neurologisch: Zittern, Muskelschwäche, Koordinationsstörungen
psychisch: Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, Depressionen
körperlich: Müdigkeit, Hautausschläge, Nierenschäden

Haben Sie den Verdacht einer Quecksilbervergiftung, sollten Sie immer ärztlichen Rat einholen. Symptome können unspezifisch sein und die Behandlung muss differenziert erfolgen.

Diagnose und Therapie einer Quecksilbervergiftung

Die Diagnose erfolgt durch verschiedene Maßnahmen:

  • Blutuntersuchung: Die Ergebnisse geben Auskunft über die aktuelle Quecksilberbelastung.
  • Urinuntersuchung: Sie dient häufig der Beurteilung der Quecksilberausscheidung.
  • Haaranalyse: Sie zeigt eine mögliche längerfristige Quecksilberbelastung an.

Für eine gezielte Therapie gibt es verschiedene Ansätze:

  • Ausleitungstherapie

    Es kommt zum Einsatz von Chelatbildnern wie DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure) und D-Penicillamin. Sie binden Quecksilber im Körper und fördern dessen Ausscheidung. Die Behandlung erfolgt ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht.

  • Mikronährstoffe

    Mikronährstoffe können unterstützend wirken, ersetzen jedoch keine Ausleitungstherapie. Eine wirksame „Entgiftung“ allein durch Vitamine oder Mineralstoffe ist wissenschaftlich nicht belegt.

So können Sie sich vor einer Quecksilbervergiftung schützen

Mit Thunfisch-Creme bestreiche Baguettes.

 

Quecksilber ist im Alltag meist gut vermeidbar. Mit einigen einfachen Maßnahmen können Sie Ihr persönliches Risiko senken.

  • Verzehren Sie große Raubfische wie Thunfisch oder Schwertfisch nur in Maßen.
  • Entsorgen Sie alte Thermometer oder andere quecksilberhaltige Altgeräte fachgerecht.
  • Beachten Sie Arbeitsschutzmaßnahmen, wenn Sie beruflich mit Quecksilber in Kontakt kommen.
  • Lassen Sie eine vermutete Quecksilberbelastung ärztlich abklären und verzichten Sie auf eine Selbstbehandlung oder vermeintliche „Entgiftungskuren“.

Gut zu wissen

    Ergebnisse werden geladen

    Jetzt bei der AOK Sachsen-Anhalt versichern

    Registrieren Sie sich schnell und unkompliziert bei unserer Online-Anmeldung.

    Mitglied werden