Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Psychosomatik

Ein Mann leidet unter psychosomatischen Symptomen.

Was versteht man unter Psychosomatik?

„Der Stress schlägt mir auf den Magen“: Hinter dieser Redewendung steckt tatsächlich ein Zusammenhang. Der Begriff Psychosomatik setzt sich aus den griechischen Wörtern für Seele (Psyche) und Körper (Soma) zusammen. Die Psychosomatik geht davon aus, dass Körper und Psyche sich gegenseitig beeinflussen. Bei der Behandlung psychosomatischer Beschwerden werden deshalb körperliche, psychische und soziale Faktoren berücksichtigt. Daran sind je nach Beschwerden verschiedene medizinische Fachbereiche beteiligt.

In unserem Artikel erfahren Sie, welche Erkrankungen psychosomatische Zusammenhänge haben können, wie die Diagnose und Behandlung aussehen und was Sie selbst dazu beitragen können.

Wussten Sie schon, dass…

  • psychosomatische Beschwerden real sind und nicht eingebildet?
  • besonders bei schweren Krankheiten wie Krebs oft auch psychische Beschwerden auftreten?
  • die AOK Sachsen-Anhalt die Kosten für eine Psychotherapie übernimmt?

Was ist der Unterschied zwischen psychisch und 
psychosomatisch?

Die Begriffe psychisch, psychosomatisch und psychiatrisch werden häufig verwechselt oder sogar gleichbedeutend verwendet. Sie beschreiben jedoch unterschiedliche Bereiche. Wir erklären, was die Begriffe bedeuten und worin die Unterschiede liegen.

Psychisch

Psychisch bedeutet „die Psyche betreffend“. Eine Situation kann beispielsweise als psychisch belastend empfunden werden, ohne dass gleichzeitig eine psychische Erkrankung vorliegt. Hält eine Belastung jedoch über längere Zeit an, kann sie die psychische und auch die körperliche Gesundheit beeinflussen.

Psychiatrisch

Die Psychiatrie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Diagnose, Behandlung und Vorbeugung psychischer Erkrankungen beschäftigt. Zu den psychiatrischen Krankheitsbildern gehören unter anderem Schizophrenie, Suchterkrankungen und bipolare Störungen.

Junger Mann mit psychosomatischen Problemen.

Psychosomatisch

Die psychosomatische Medizin ist ein eigenständiges medizinisches Fachgebiet, das die Wechselwirkungen zwischen körperlichen und psychischen Beschwerden betrachtet. Psychosomatische Beschwerden können durch das Zusammenspiel verschiedener biologischer, psychischer und sozialer Faktoren entstehen.

Dazu gehören beispielsweise körperliche Beschwerden ohne eindeutig nachweisbare organische Ursache, etwa bestimmte Formen von chronischen Schmerzen, Schwindel oder Magen-Darm-Beschwerden. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen können im psychosomatischen Zusammenhang eine Rolle spielen.

Welche Krankheiten können psychosomatische Ursachen haben?

Häufig ist die Rede von den „sieben klassischen psychosomatischen Erkrankungen“ oder den „Holy Seven“. In der modernen Medizin wird dieser Ansatz jedoch differenzierter betrachtet. Psychische Faktoren können bei vielen Erkrankungen eine Rolle spielen, etwa indem sie Beschwerden verstärken, den Verlauf beeinflussen oder die Krankheitsbewältigung erschweren. Ob Beschwerden psychosomatisch geprägt sind oder andere Ursachen haben, wird individuell durch ärztliche Untersuchungen abgeklärt.

Beispiele für psychosomatische Beschwerden und Zusammenhänge:

  • Körperliche Beschwerden ohne eindeutig nachweisbare organische Ursache ...

    ... wie somatische Belastungsstörungen, funktionelle Störungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Magen-Darm-Beschwerden wie das Reizdarmsyndrom.

  • Körperliche Erkrankungen, deren Verlauf durch psychische Faktoren beeinflusst werden kann ...

    ... wie Asthma, Tinnitus, koronare Herzkrankheit oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Akne. Stress und psychische Belastungen können Beschwerden verstärken oder den Umgang mit der Erkrankung erschweren.

  • Psychische Belastungen infolge schwerer körperlicher Erkrankungen ...

    ... wie Krebs oder Multiple Sklerose. Chronische Erkrankungen können die psychische Gesundheit belasten und beispielsweise Ängste oder depressive Beschwerden auslösen.

  • Störungen des Essverhaltens ...

    ... wie Magersucht (Anorexie), Bulimie, Binge-Eating-Störung oder Adipositas, bei denen psychische und körperliche Faktoren eng zusammenwirken.

  • Konversionsstörungen, ...

    ... bei denen psychische Belastungen mit körperlichen Beschwerden verbunden sind. Dazu gehören beispielsweise psychogene Bewegungsstörungen, Stimmstörungen oder Sehstörungen.

  • Psychische Erkrankungen mit körperlichen Auswirkungen ...

    ... wie Depressionen, Angststörungen, Zwangserkrankungen oder posttraumatische Belastungsstörungen. Sie können sich auch durch körperliche Beschwerden äußern.

Psychische Belastungen als Verstärker

Auch bei Beschwerden wie Migräne oder Schlafstörungen können psychosomatische Faktoren eine Rolle spielen. Stress, Belastungen und psychische Erkrankungen können Symptome verstärken oder deren Entstehung begünstigen.

Frau mit psychosomatischen Schmerzen.

Diagnose psychosomatischer Erkrankungen

Die Diagnose psychosomatischer Erkrankungen kann mitunter aufwendig sein. Hinweise auf einen psychosomatischen Zusammenhang sind:

  • körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Erklärung
  • bereits durchgeführte Behandlungen, die keine nachhaltige Besserung gebracht haben

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Beschwerden psychosomatische Ursachen haben könnten, sollten Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt wenden. Dieser kann Sie bei Bedarf an einen Facharzt oder eine spezialisierte Klinik überweisen. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es mehrere spezialisierte Einrichtungen, darunter die Unikliniken in Magdeburg und Halle sowie das AWO Fachkrankenhaus Jerichow.

Zur Diagnose gehören unter anderem:

  • Untersuchungen zum Ausschluss oder Nachweis körperlicher Ursachen, beispielsweise Laboruntersuchungen, bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall sowie weitere Untersuchungen
  • die Erfassung möglicher psychischer Begleiterkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen
  • die Ermittlung von Stress-, Belastungs- und anderen psychosozialen Faktoren

Wie werden psychosomatische Erkrankungen behandelt?

Psychosomatische Erkrankungen sind gut behandelbar. Je nach Art und Schwere der Beschwerden erfolgt die Behandlung ambulant, tagesklinisch oder stationär. Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist die Psychotherapie. Sie kann sowohl als Einzel- als auch als Gruppentherapie stattfinden. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen psychischen und körperlichen Beschwerden zu erkennen, belastende Verhaltensmuster zu verstehen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Je nach Beschwerden können zusätzlich weitere Therapieformen zum Einsatz kommen:

Frau lässt psychosomatische Symptome ärztlich abklären.
  • Musik- und Kunsttherapie: Gefühle durch Musik oder kreatives Gestalten ausdrücken sowie die Wahrnehmung und Achtsamkeit fördern.
  • Körpertherapie: Das Körperbewusstsein stärken und emotionale Belastungen beispielsweise durch Bewegungsübungen oder Atemtechniken abbauen.
  • Sport- und Bewegungstherapie: Das körperliche und seelische Wohlbefinden fördern, etwa durch Ausdauertraining, Yoga oder Entspannungsübungen.
  • Sozialtherapie: Den Alltag strukturieren sowie Strategien zur Krisenbewältigung und zum Umgang mit Belastungen entwickeln.
  • Medikamentöse Behandlung: Bei Bedarf können Medikamente eingesetzt werden, um Beschwerden zu lindern oder begleitende psychische Erkrankungen zu behandeln.

Auch eine Rehabilitationsmaßnahme in einer auf psychosomatische Erkrankungen spezialisierten Klinik kann sinnvoll sein. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten, beispielsweise wenn eine ärztliche Verordnung oder Bewilligung vorliegt.

Was kann ich selbst gegen psychosomatische Beschwerden tun?

Der Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder machen, kann sehr hilfreich sein. Auf der Website der Selbsthilfekontaktstelle Sachsen-Anhalt finden Sie Selbsthilfegruppen in Ihrer Region.

Darüber hinaus gibt es einige Maßnahmen, die Sie in Ihren Alltag integrieren können, um Ihr Wohlbefinden zu fördern und psychosomatischen Beschwerden vorzubeugen oder sie zu lindern:

Wanden im Wald wirkt positiv auf psychosomatische Beschwerden.
  • Sport treiben: Regelmäßige Bewegung kann das körperliche und seelische Wohlbefinden fördern und dabei helfen, Stress abzubauen.
  • Ausgewogen ernähren: Eine ausgewogene Ernährung unterstützt den Körper und kann das allgemeine Wohlbefinden stärken.
  • Stress reduzieren: Anhaltender Stress zählt zu den häufigsten Faktoren, die psychosomatische Beschwerden auslösen oder verstärken können.
  • Entspannungstechniken anwenden: Methoden wie Meditation oder Progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Körperwahrnehmung zu verbessern.

Angebote der AOK Sachsen-Anhalt

Die AOK Sachsen-Anhalt bezuschusst Gesundheitskurse und Gesundheitsreisen. Darüber hinaus können Sie kostenfreie Angebote wie die AOK Yogaschule, die AOK Yogaschule digital und die AOK Laufschule nutzen.

FAQ Häufige Fragen zu Psychosomatik

Psychosomatische Beschwerden werfen oft viele Fragen auf. Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen rund um Ursachen, Diagnose, Behandlung und die Leistungen der AOK Sachsen-Anhalt:

  • Was ist der Unterschied zwischen Psychosomatik und Hypochondrie?

    Psychosomatische Beschwerden sind reale körperliche oder psychische Beschwerden, bei denen Körper und Psyche in Wechselwirkung stehen. Psychische Belastungen können körperliche Beschwerden verstärken oder auslösen. Umgekehrt können körperliche Erkrankungen auch die psychische Gesundheit beeinflussen.

    Hypochondrie, heute als Krankheitsangststörung bezeichnet, ist dagegen die anhaltende Angst, an einer schweren Erkrankung zu leiden. Betroffene deuten normale Körperempfindungen oder harmlose Beschwerden häufig als Anzeichen einer ernsthaften Krankheit.

  • Welche Behandlungen bei Psychosomatik zahlt die AOK Sachsen-Anhalt?

    Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt im Rahmen der gesetzlichen Leistungen unter anderem die Kosten für die hausärztliche Versorgung, Psychotherapie sowie medizinisch notwendige Behandlungen in psychosomatischen Fachkliniken oder Rehabilitationsmaßnahmen. Je nach Behandlung gelten unterschiedliche Voraussetzungen, beispielsweise eine ärztliche Verordnung oder eine vorherige Bewilligung. Darüber hinaus bezuschusst die AOK Sachsen-Anhalt Gesundheits- und Entspannungskurse.

  • Nach welchen Kriterien wird eine psychosomatische Diagnose gestellt?

    Zunächst werden mögliche körperliche Ursachen durch Untersuchungen wie Laboruntersuchungen, bildgebende Verfahren oder weitere diagnostische Maßnahmen abgeklärt. Besteht anschließend der Verdacht auf einen psychosomatischen Zusammenhang, kann eine Überweisung an einen Facharzt für Psychosomatische Medizin, einen Psychotherapeuten oder eine spezialisierte Klinik erfolgen. Bei der Diagnose werden körperliche, psychische und soziale Faktoren gemeinsam berücksichtigt.

  • Wie bekomme ich einen Termin in einer psychosomatischen Klinik?

    Ihr Hausarzt oder Facharzt kann Sie bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit an eine psychosomatische Klinik überweisen oder gemeinsam mit Ihnen die weiteren Behandlungsschritte planen.

  • Warum entstehen psychosomatische Beschwerden?

    Körper und Psyche stehen in ständigem Austausch. Das Gehirn, das Nervensystem, Hormone und das Immunsystem beeinflussen sich gegenseitig. Anhaltender Stress, belastende Lebensereignisse oder psychische Erkrankungen können körperliche Beschwerden verstärken oder begünstigen. Umgekehrt können körperliche Erkrankungen auch die psychische Gesundheit belasten.

  • Wie erkenne ich, ob meine Beschwerden psychosomatisch sind?

    Hinweise auf einen psychosomatischen Zusammenhang können körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Erklärung sein. Auch wiederholte Behandlungen ohne anhaltende Besserung oder Beschwerden, die sich in Stressphasen verstärken und in Erholungsphasen nachlassen, können darauf hindeuten. Ob tatsächlich eine psychosomatische Erkrankung vorliegt, sollte jedoch immer ärztlich abgeklärt werden.

Gut zu wissen

    Ergebnisse werden geladen

    Jetzt bei der AOK Sachsen-Anhalt versichern

    Registrieren Sie sich schnell und unkompliziert bei unserer Online-Anmeldung.

    Mitglied werden