Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Krätze 

Eine Frau spürt aufgrund von Krätze einen Juckreiz am Arm

Krätzmilben: unliebsame Gäste unter der Haut 

Krätze ist eine lästige, hoch ansteckende Hauterkrankung, die durch winzige Milben verursacht wird. Obwohl sie oft mit schlechten hygienischen Bedingungen in Verbindung gebracht wird, kann sich jeder unabhängig von den Lebensumständen infizieren. Die ersten Beschwerden bemerken Betroffene erst etwa zwei bis fünf Wochen nach der Ansteckung, sie sind aber bereits davor ansteckend. Auch in Sachsen-Anhalt häufen sich die Erkrankungen, insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kitas, Schulen und Pflegeheimen. Die gute Nachricht: Krätze ist unter ärztlicher Aufsicht gut behandelbar.

Wie Sie Krätze erkennen, behandeln und welche präventiven Maßnahmen einer Ansteckung vorbeugen können, lesen Sie im Beitrag.

Wussten Sie schon, dass…

  • Krätzmilben circa zwei Tage in der Bettwäsche überleben?
  • die AOK Sachsen-Anhalt nicht rezeptpflichtige Medikamente mit bis zu 40 Euro bezuschusst?
  • Krätzmilben nicht mit dem bloßen Auge erkennbar sind?

Was ist Krätze?

Krätze, medizinisch „Skabies" oder „Scabies crustosa" (Borkenkrätze), wird durch die Skabiesmilbe verursacht. Der Parasit, der auf Menschen spezialisiert ist, gehört zu den Spinnentieren und ist mit einer Größe von 0,3 bis 0,5mm mit bloßem Auge kaum sichtbar. Die Weibchen graben sich nach der Befruchtung in unsere obere Hautschicht ein, um ihre Eier abzulegen. Dort legen die winzigen Tiere über eine Lebenszeit von etwa vier bis acht Wochen täglich mehrere Eier ab. Unsere Haut reagiert auf die Milbenausscheidungen mit starkem Juckreiz und Hautausschlag. Krätze fällt unter die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes, es besteht jedoch keine generelle Meldepflicht zur Ansteckung und Ausbreitung von der Krankheit in Deutschland. Anders verhält es sich in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kitas und Pflegeheimen. Hier gilt eine indirekte Meldepflicht, insbesondere auch für Beschäftigte. Häufen sich die Krätzefälle muss eine Meldung an das zuständige Gesundheitsamt erfolgen. Hinweis: Fragen zu Regelungen beantwortet das zuständige Gesundheitsamt. 

Wie ist die Übertragung möglich?

Pflegekraft untersucht Seniorin im Pflegeheim

Die Übertragung von Krätze erfolgt hauptsächlich durch engen Hautkontakt mit einer infizierten Person. Dies kann durch Händeschütteln, Umarmungen oder beim Schlafen im selben Bett erfolgen. Seltener über gemeinsam genutzte Gegenstände, wie Kleidung oder Bettwäsche.

Skabiesmilben verbreiten sich besonders effektiv, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, also vor allem in Gemeinschafts- oder Pflegeeinrichtungen. Auch das Betreuungs- und Pflegepersonal ist ansteckungsgefährdet. Gerade in der kalten Jahreszeit, wo sich die Menschen vermehrt in Innenräumen aufhalten, kommt es häufiger zu Ansteckungen. 

  • Von Mensch zu Mensch

    In den meisten Fällen werden Skabiesmilben von Mensch zu Mensch übertragen, vor allem durch andauernden Körperkontakt, der länger als zehn Minuten anhält. Beispielsweise beim gemeinsamen Spielen, Kuscheln, Hilfe bei der Körperpflege, Schlafen in einem Bett oder beim Geschlechtsverkehr. Durch Händeschütteln oder eine kurze Umarmung findet in der Regel keine Ansteckung statt, jedoch ist dies auch nicht ausgeschlossen. Vor allem immungeschwächte- und pflegebedürftige Menschen sowie Krebspatienten stecken sich häufig und schnell mit der Krankheit an.

  • Von Tier zu Mensch

    Gelegentlich werden Milben, die auf Haustieren leben, auch auf Menschen übertragen. Sie sterben in der Regel aber schnell wieder ab, sodass Hautreizungen meist nach kurzer Zeit von allein zurück gehen.

  • Kleidung oder Gegenstände

    Außerhalb des Wirtes, also in Kleidung, Bettwäsche und Handtüchern, können Skabiesmilben noch für maximal zwei Tage überleben. Deshalb erfolgt nur in seltenen Fällen eine direkte Übertragung durch gemeinsam genutzte Bettwäsche, Decken, Polster und Kleidung. 

Symptome richtig erkennen 

Weil unser Immunsystem einige Zeit benötigt, um auf die Milben zu reagieren, zeigen sich erste Anzeichen der Erkrankung erst zwei bis fünf Wochen nach der Übertragung. Im Fall einer Wiederansteckung treten Symptome schneller auf. Das Hautbild kann bei Krätze unterschiedlich aussehen. Häufige erste Anzeichen der Erkrankung können sein:

Ein für Krätze typischer Hautausschlag
  • Brennen der Haut
  • starker Juckreiz (bei Wärme besonders ausgeprägt)
  • Rötung der Haut
  • feine, rötlichbraune, unregelmäßige Linien (Milbengänge) unter Haut
  • stecknadelgroße Bläschen (mit Eiter gefüllt)
  • gerötete erhabene Knötchen oder Pusteln
  • eitrige Entzündungen
  • Schuppen und Krusten (durch Kratzen)
  • großflächiger allergischer Hautausschlag (bei längerem Befall)

Krätzmilben bevorzugen warme Hautregionen mit dünner Haut, beispielsweise zwischen den Fingern oder Fußzehen, an den Handgelenken, Knöcheln oder Achseln, am Bauchnabel, am Ellenbogen, an den Brustwarzen oder den Genitalien. Erkranken Kinder oder Säuglinge an Krätze, sind vor allem Kopf, Gesicht und die Hand- und Fußflächen betroffen, aber auch Bauch und Rücken.

Krätze richtig behandeln: Aber wie?

Ein Arzt untersucht den Arm einer Patientin mit Skabies-Verdacht

Sollten Sie die oben genannten Symptome bemerken, empfiehlt es sich schnellstmöglich eine Arztpraxis aufzusuchen. Der behandelnde Arzt stellt die Diagnose meist anhand der typischen Krätze-Symptome und entnimmt bei Unklarheiten Hautproben der betroffenen Stellen.

Die Behandlung von Krätze erfolgt in der Regel durch verschreibungspflichtige Medikamente, die direkt auf die Haut aufgetragen werden, sogenannte Skabizide. Diese Mittel, je nach Bedarf als Creme, Spray oder Salbe, töten die Milben und ihre Eier ab. In einigen Fällen kann auch eine Behandlung mit Tabletten erfolgen. Je nach Schwere der Infektion ist eine zweite Therapieeinheit nach einem bestimmten zeitlichen Abstand notwendig.

Scabies crustosa oder Borkenkrätze

„Scabies crustosa", auch als Borkenkrätze bekannt, ist eine besonders schwere Form der Krätze. Sie tritt oft bei Menschen mit einem geschwächtem Immunsystem auf. Bei dieser Form befinden sich tausende Milben auf der Haut, was zu dicken, schuppigen Krusten, besonders an Hand- und Fußinnenflächen, Ellenbogen und Handgelenken, führt. Typisch für die Borkenkrätze: Erkrankte verspüren meist keinen oder nur einen sehr geringen Juckreiz. Der massive Befall wird nach individueller ärztlicher Absprache meist mit einer Kombination aus Salbe und Tabletten behandelt. 

Vorsicht: Schon ein kurzer Kontakt mit einer infizierten Person reicht hier, um sich anzustecken.

Schutz vor Krätze: Das Infektionsrisiko reduzieren 

Ein Schutz vor Krätze ist kaum möglich, da die Übertragung der Skabiesmilben auch unbemerkt erfolgen kann. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, auf eine gute Körperhygiene und regelmäßiges Händewaschen zu achten. Vermeiden Sie zudem intensive Hautkontakte mit Erkrankten für fünf bis sechs Wochen.  

Um das Risiko einer Krätze-Infektion zu reduzieren, sollten Sie zudem folgende Maßnahmen beachten:

  • Kontakt einschränken 

    Vermeiden Sie direkten Hautkontakt mit Infizierten und reinigen Sie Kontaktflächen regelmäßig. Wenn der Körperkontakt nicht vermeidbar ist, kann das Tragen langer Kleidung und Einmalhandschuhe helfen, einer Ansteckung vorzubeugen. Betroffene sollten zudem enge Kontaktpersonen, wie Familie oder Kollegen, über den Befall informieren, da gegebenenfalls eine Mitbehandlung notwendig ist.

  • Kleidung und Möbelreinigung 

    Wechseln Sie Ihre Kleidung mindestens einmal täglich. Kleidung, Unterwäsche, Bettwäsche und Handtücher sollten bei 60 Grad gewaschen werden, um die Milben effektiv abzutöten. Schuhe und Plüschtiere, die nicht gewaschen oder gereinigt werden können, sollten für mindestens drei Tage bei über 21°C in verschlossenen Plastiksäcken trocken lagern. Denken Sie auch daran, Polstermöbel, Kissen und Teppiche gründlich mit einem leistungsfähigen Staubsauger zu reinigen und diese Gegenstände bestenfalls für mindestens zwei Tage nicht zu nutzen.

  • Gemeinschaftseinrichtungen meiden

    Bei einer Infektion mit Krätze oder einem Befall der Einrichtung darf kein Besuch von Schule, Kita, Büro oder Pflegeheim erfolgen. In den meisten Fällen verlangt die Gemeinschaftseinrichtung sogar eine Bescheinigung über die ärztliche Kontrolle, beziehungsweise eine Gesundschreibung.

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