Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Cluster-Kopfschmerzen

Ein am Laptop arbeitender Mann leidet unter plötzlichem starken Kopfschmerz.

Was sind Cluster-Kopfschmerzen?

Beim Cluster-Kopfschmerz handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, bei der plötzlich sehr starke, einseitige Kopfschmerzen im Bereich um die Augen und der Schläfe auftreten. Die Attacken treten in Häufungen beziehungsweise gebündelten Episoden (Clustern) bis zu achtmal am Tag auf und dauern jeweils 15 Minuten bis drei Stunden an. Zwischen den Attacken können unterschiedlich lange beschwerdefreie Zeiten liegen. Cluster-Kopfschmerzen sind mit etwa 120.000 Betroffenen in Deutschland zwar selten, aber sehr schmerzhaft und belastend. Eine Therapie kann die Dauer und Stärke der Attacken deutlich verringern. Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr erstmals auf und betrifft Männer dreimal häufiger als Frauen. 

In unserem Artikel erfahren Sie, wie eine Cluster-Kopfschmerz-Attacke abläuft und wie sie sich bemerkbar macht. Außerdem zeigen wir, welche Auslöser es gibt und wie die Behandlung aussieht.

Wussten Sie schon, dass…

  • Cluster-Kopfschmerzen zu den stärksten Kopfschmerzen gehören?
  • Männer dreimal häufiger von Cluster-Kopfschmerzen betroffen sind?
  • die AOK Sachsen-Anhalt Entspannungskurse bezuschusst?
Eine Frau spürt Kopfschmerzen beim Kaffeetrinken

Wie lange dauert eine Cluster-Kopfschmerz-Attacke?

Die Attacken treten unerwartet, oft ohne direkt erkennbare Auslöser auf. Es kommt zu einem heftig stechenden, bohrenden Schmerz hinter dem Auge. Dieser kann in die Schläfe, den Kiefer, die Nase und die Zähne ausstrahlen. Eine Cluster-Kopfschmerz-Attacke kann zwischen 15 Minuten und drei Stunden andauern. Die Häufigkeit der Attacken erstreckt sich von einer Attacke an jedem zweiten Tag bis hin zu acht Attacken pro Tag. Oft treten sie zur selben Uhrzeit auf, vor allem aber morgens oder ein bis zwei Stunden nach dem Einschlafen, wodurch Schlaf und Erholung beeinträchtigt werden. Zwischen den Attacken können unterschiedlich lange Episoden ohne Symptome liegen.

Was ist der Unterschied zwischen episodischem und chronischem Cluster-Kopfschmerz?

Cluster-Kopfschmerzen unterscheidet man in episodischen und chronischen Cluster-Kopfschmerz.

Episodischer Cluster-Kopfschmerz

Bei etwa 80 bis 90 Prozent der Betroffenen handelt es sich um einen episodischen Cluster-Kopfschmerz. Die Attacken können hier in Episoden mit einer Dauer von einer Woche bis zu einem Jahr auftreten. Meist erstrecken sie sich über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten. Dazwischen liegen beschwerdefreie Zeiträume von mindestens drei Monaten.

Chronischer Cluster-Kopfschmerz

Etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen leiden unter chronischem Cluster-Kopfschmerz. Die Attacken treten hier in sogenannten Cluster-Phasen von einem Jahr oder länger ohne beschwerdefreie Zeiträume auf, oder die beschwerdefreien Zeiträume sind kürzer als drei Monate.

Chronischer Cluster-Kopfschmerz kann in einen episodischen Verlauf übergehen, umgekehrt kann ein episodischer Verlauf auch chronisch werden.

Ein Mann sitzt mit Cluster-Kopfschmerzen auf der Bettkante

Begleitsymptome bei Cluster-Kopfschmerzen

Cluster-Kopfschmerzen werden von einem oder mehreren weiteren Symptomen begleitet wie:

  • gerötete und/oder tränende Augen
  • verstopfte oder laufende Nase
  • geschwollenes Augenlid (Lidödem)
  • vermehrtes Schwitzen im Gesicht und der Stirn
  • verkleinerte Pupillen
  • herunterhängendes Augenlid
  • Überempfindlichkeit gegen Licht und Geräusche
  • körperliche Unruhe, starker Bewegungsdrang

Nach ICHD-3 (Internationale Klassifikation von Kopfschmerzen) muss für die Diagnose „Cluster-Kopfschmerz“ mindestens eines oder mehrere dieser Symptome gleichzeitig mit den Kopfschmerzen auftreten. Nennen Sie die Symptome deshalb unbedingt bei der Anamnese beim Arzt, wenn dies bei Ihnen zutrifft.

Warum bekommt man Cluster-Kopfschmerzen?

Cluster-Kopfschmerzen zählen, wie auch Spannungskopfschmerzen oder Migräne, zu den primären Kopfschmerzen. Warum sie auftreten, ist bisher nicht ausreichend erforscht. Auch warum Männer etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen sind als Frauen, ist unklar.

Forscher gehen davon aus, dass der Hypothalamus an der Entstehung einer Schmerzattacke beteiligt ist. Der Hypothalamus ist das Gehirnareal, das den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Körpertemperatur und den Hormonhaushalt steuert. Die Vermutung kommt daher, dass bei bildgebenden Untersuchungen während der Attacken eine erhöhte Aktivität beobachtet werden konnte. Auch eine familiäre Veranlagung spielt vermutlich eine Rolle.

Eine Frau wird nach dem Aufstehen von der Sonne durchs Fenster geblendet

Was löst eine Cluster-Kopfschmerz-Attacke aus?

Die Kopfschmerz-Attacken treten meist aus dem Nichts auf, ohne direkt erkennbare Ursache. Einige Faktoren können das Auftreten von Cluster-Kopfschmerzen begünstigen wie:

  • Alkohol
  • Nikotin
  • Aufenthalt in großen Höhen
  • blendendes oder flackerndes Licht
  • bestimmte, starke Gerüche
  • nitroglyzerinhaltige Medikamente
  • Änderungen des Schlafrhythmus

Wie werden Cluster-Kopfschmerzen behandelt?

Der Hausarzt kann eine erste Einschätzung geben und an einen Neurologen überweisen. Dieser nimmt dann die Diagnose und Behandlung vor. Eine Heilung für Cluster-Kopfschmerzen gibt es aktuell nicht, und herkömmliche Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol zeigen nur wenig Wirkung. Ziel der Therapie ist es deshalb, die Dauer der Kopfschmerz-Attacken zu reduzieren und die Schmerzen zu lindern.

Gegen Cluster-Kopfschmerzen wird hauptsächlich ein Sauerstoffgerät mit einer speziellen Nicht-Rückatmungsmaske eingesetzt, die Mund und Nase abdeckt. Ab Beginn einer Attacke werden über das Gerät pro Minute acht bis zwölf Liter 100-prozentiger Sauerstoff für 15 Minuten abgegeben. So lässt sich die Dauer der Attacke nachweislich reduzieren. Mit Migränemedikamenten (Triptane), die als Spritze oder Nasenspray erhältlich sind, lassen sich die Schmerzen lindern.

Was kann ich selbst gegen Cluster-Kopfschmerzen tun?

Cluster-Kopfschmerzen können Alltag, Beruf und Freizeit stark einschränken. Man kann sie zwar nicht heilen, aber die Auslöser erkennen und vermeiden. Hierfür ist es sinnvoll, ein Kopfschmerztagebuch zu führen. Notieren Sie dort, wann die Attacken auftreten und was Sie vorher gegessen, getrunken oder unternommen haben. Auch die richtige Schlafhygiene kann zur Linderung beitragen.

Cluster-Kopfschmerzen können auf Dauer psychisch belastend sein. Suchen Sie deshalb bei Bedarf einen Psychotherapeuten und eine Selbsthilfegruppe auf. Das erleichtert den Umgang mit der Erkrankung. Auch in Sachsen-Anhalt gibt es einige Selbsthilfegruppen, zum Beispiel in Sangerhausen.

Nach der Diagnose können Sie einen Schwerbehinderten-Ausweis beziehungsweise einen Grad der Behinderung beantragen. Entscheidend hierfür ist die Höhe der individuellen Beeinträchtigung.

FAQ – Häufige Fragen zu Cluster-Kopfschmerzen

  • Was ist der Unterschied zwischen Cluster-Kopfschmerz und Migräne?

    Cluster-Kopfschmerz-Attacken treten plötzlich auf, dauern zwischen 15 Minuten und drei Stunden an und konzentrieren sich vor allem auf den Augenbereich. Es kommt typischerweise zu Begleitsymptomen wie tränenden Augen oder einer laufenden Nase. Betroffene sind rastlos und unruhig. Migräneattacken verlaufen in mehreren Phasen und halten mit vier bis 72 Stunden deutlich länger an. Betroffene suchen eher Ruhe und Dunkelheit. Cluster-Kopfschmerzen treffen vor allem Männer, Migräne häufiger Frauen.

  • Wie wird Cluster-Kopfschmerz diagnostiziert?

    Die Diagnose wird durch einen Neurologen gestellt. Neben einer ausführlichen Anamnese spielen auch bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eine Rolle, um andere Ursachen auszuschließen. Ein Kopfschmerztagebuch kann die Diagnose erleichtern.

  • Welche Medikamente helfen bei Cluster-Kopfschmerzen?

    Bei Cluster-Kopfschmerzen helfen Triptane, also Migränemedikamente. Sie können die Schmerzen lindern. Herkömmliche Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen zeigen keine Wirkung.

  • Kann man mit Cluster-Kopfschmerzen einen Schwerbehindertenausweis beantragen?

    Je nach Stärke der Cluster-Kopfschmerzen kann ein Grad der Behinderung von 30 bis 100 vergeben werden. Ein Schwerbehindertenausweis wird ab einem Grad der Behinderung von 50 ausgestellt.

  • Wie lange dauert eine Cluster-Kopfschmerz-Episode?

    Eine Schmerzattacke dauert zwischen 15 Minuten und drei Stunden. Eine Cluster-Episode, die Phase, in der Attacken sich häufen, dauert meist zwei bis drei Monate an. Danach folgt eine beschwerdefreie Phase. Bei chronischem Cluster-Kopfschmerz kann die beschwerdefreie Phase ganz wegfallen oder weniger als drei Monate andauern.

  • Gibt es eine Heilung für Cluster-Kopfschmerzen?

    Bisher gibt es keine Heilung für Cluster-Kopfschmerzen. Eine Therapie mit Sauerstoffmaske und Migränemedikamenten kann die Schmerzen jedoch senken und die Dauer der Attacken verringern.

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