Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Schwangerschaftsdepression

Eine etwa 30-jährige schwangere Frau sitzt nachdenklich auf einem Sessel.

Eine Schwangerschaftsdepression erkennen und behandeln 

Stimmungshochs und -tiefs sind in Verbindung mit einer Schwangerschaft ganz normal. Von Freude über Sorgen bis zur Erschöpfung – werdende Mütter gehen in dieser Zeit häufiger durch Stimmungswechsel als in anderen Lebensphasen. Nehmen die Ängste oder Sorgen überhand, kann sich aber eine Schwangerschaftsdepression entwickeln. Wie diese Erkrankung genau entsteht, woran man sie erkennt und wie sie behandelt wird, erklären wir in diesem Artikel.

Wussten Sie schon, dass…

  • etwa zwölf Prozent der werdenden Mütter in der Schwangerschaft eine Depression oder depressive Episode erfahren?
  • die AOK Sachsen-Anhalt Ihnen Mutterschaftsgeld zahlt?
  • sich die Emotionen von Schwangeren auf das Baby auswirken?

Warum bekommt man eine Schwangerschaftsdepression?

Wenn Ängste und Sorgen in der Schwangerschaft überhandnehmen und der Stimmungswechsel zu positiven Gefühlen wie Freude ausbleibt, spricht man von einer Schwangerschaftsdepression. In der Medizin nennt man diese Erkrankung auch Antepartum-Depression. „Das sind nur die Hormone“ kann man dann nicht mehr sagen, denn eine Depression ist eine ernstzunehmende Krankheit. Sie ist gut behandelbar, wenn Betroffene professionelle Hilfe erhalten und die individuellen Krankheitsursachen bei der Therapiewahl beachtet werden.

Eine etwa 40-jährige schwangere Frau sitzt nachdenklich auf einem Sofa.

Mögliche Ursachen für eine Schwangerschaftsdepression sind unter anderem:

  • eine Depression oder Angststörung, die bereits vor der Schwangerschaft bestand
  • Probleme oder fehlende Unterstützung in der Partnerschaft, der Familie oder dem Freundeskreis
  • belastende Ereignisse, wie etwa eine vorangegangene Fehlgeburt oder ein schwieriger Schwangerschaftsverlauf

Eine Depression während oder nach einer Schwangerschaft ist gar nicht so ungewöhnlich. Etwa zwölf von 100 Schwangeren durchleben während ihrer Schwangerschaft eine Depression oder depressive Episoden. Nach der Geburt, also postpartal, sind es sogar etwas mehr mit 15 von 100 Müttern. Die postpartale Depression ist aber nicht mit dem Babyblues zu verwechseln. Dieser tritt oft direkt nach der Geburt ein und dauert, anders als eine Depression, nur kurz an.

Wie erkennt man eine Schwangerschaftsdepression?

Die wichtigsten Symptome, an denen Sie eine Depression erkennen können, sind emotionale Extreme wie große Traurigkeit, zahlreiche Ängste und Grübeleien, Verlust von Interesse und Freude. Außerdem können Betroffene an Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten leiden. Zusätzlich werden sie schneller müde oder durchleben weitere psychische Beschwerden wie Schuldgefühle, Selbstzweifel und Schlafstörungen. Diese Symptome können das Leben der Schwangeren stark beeinflussen. Wenn das der Fall ist und die Beschwerden länger andauern oder immer wiederkehren, ist Hilfe nötig. 

Diese kann individuell unterschiedlich ausfallen:

  • Reden: Ob in der Partnerschaft, mit ärztlichem Personal oder im Freundeskreis und der Familie – es kann enorm hilfreich und vor allem entlastend sein, offen auszusprechen, wie es einem geht.
  • Hilfe suchen und annehmen: Betreuung von Geschwisterkindern, eine helfende Hand im Haushalt und auch professionelle Hilfe – alle Angebote dienen dazu, dass es Ihnen besser geht und Sie können sie guten Gewissens annehmen, um sich zu entlasten.
  • Keine Scham: Eine Depression ist eine Krankheit, sie ist normal und behandelbar. Es ist also nicht nötig, sich damit zu verstecken.
  • Bewegung: Das ist wichtig, um aus dem eigenen Trott herauszukommen, auch wenn es nur ein täglicher kurzer Spaziergang ist, bei dem der Kopf freier wird.

Auswirkungen einer Schwangerschaftsdepression auf das Baby und die Partnerschaft

Ein etwa 25-jähriger Mann hält seinen Kopf auf den Babybauch seiner Partnerin.

Eine Schwangerschaftsdepression belastet nicht nur die werdende Mutter, sie kann sich auch auf das Baby und die Partnerschaft auswirken.

So empfindet das Baby den Stress und alle Emotionen, die die Mutter erlebt. Das kann unterschiedliche Folgen haben. Eine als belastend erlebte Schwangerschaft kann dazu führen, dass das Kind zeitiger als geplant zur Welt kommt. Eine andere Möglichkeit ist, dass das Neugeborene eher unruhig ist, sein Unwohlsein durch lautes Schreien kundtut oder einfach etwas länger braucht, um innerlich in der Welt anzukommen. Auch deshalb ist es wichtig, dass eine Schwangerschaftsdepression gut behandelt wird. Außerdem kann die Behandlung einer Antepartum-Depression das Risiko für eine mögliche postpartale Depression verringern.

Auch die Partnerschaft kann durch eine Schwangerschaftsdepression auf die Probe gestellt werden und manchmal sehr widersprüchliche Auswirkungen haben. So will der Lieblingsmensch sowohl helfen, zieht sich aber unter Umständen gleichzeitig aus Hilflosigkeit zurück. Das ist normal. Wichtig ist hier vor allem der Zusammenhalt. Denn Schwangerschaft ist Teamwork und in Partnerschaften ist es deshalb umso wichtiger, dass Sie:

  • miteinander reden
  • keine vorschnellen Ratschläge geben, sondern Betroffene ermutigend begleiten
  • immer wieder darin bestärken, dass Betroffene Hilfe suchen und annehmen
  • es sich selbst gut gehen lassen, etwa durch intensive Kontaktpflege und Gespräche, damit man stark für den Anderen sein kann – das geht nur, wenn es einem selbst auch wirklich gut geht.

 

Was tun gegen Depressionen in der Schwangerschaft?

Drei schwangere Frauen sitzen mit Stift und Zettel in der Hand in einer Runde.

Wenn Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld an einer Schwangerschaftsdepression leiden, gibt es verschiedene Anlaufstellen, bei denen Sie professionelle Hilfe bekommen. Sprechen Sie zum Beispiel mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Geburtshelfer. Andere Anlaufstellen sind außerdem Ihre gynäkologische, hausärztliche oder eine psychologische Praxis und die Familienberatung des Landes Sachsen-Anhalt. Ergänzend dazu kann der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein.

Wenn Sie sich zunächst an Ihre hausärztliche Praxis wenden, findet dort ein offenes Gespräch statt, in dem vor allem die Anzeichen der möglichen Depression und Ihre Lebensumstände besprochen werden. Wird eine Schwangerschaftsdepression erkannt, werden Sie an eine psychotherapeutische Praxis überwiesen. Die Therapie wird dort individuell auf die Schwere und das Ausmaß der Anzeichen angepasst und ist meist erfolgreich. In seltenen Fällen wird zusätzlich eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen. Das wird sehr sorgfältig abgewogen, weil Medikamente mit möglichen Nebenwirkungen und Risiken für das Ungeborene einhergehen können. Ergänzend können auch alternative Methoden zur Linderung der Beschwerden beitragen, etwa Lichttherapie oder Akupunktur. Deren positive Wirkung bei einer Schwangerschaftsdepression ist jedoch wissenschaftlich noch nicht bewiesen.

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