Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Fehlzeitenmanagement

Eine Führungskraft spricht mit ihrer Mitarbeiterin über ihre Fehlzeiten auf Arbeit.

Fehlzeiten – Warum sie mehr zeigen als nur Krankheitstage

Steigende Fehlzeitenquoten gehören für viele Unternehmen inzwischen zum Alltag. Häufig richtet sich der Blick dabei besonders auf das individuelle Verhalten von Beschäftigten. Doch diese Perspektive greift zu kurz.

Fehlzeiten sind mehr als nur die Anzahl der Krankheitstage. Sie sind ein Signal für Arbeitsbedingungen, für die Organisation, für die Führung und für die Kultur im Unternehmen. Wer Fehlzeiten positiv beeinflussen möchte, sollte sich nicht nur fragen, wie sich Abwesenheit reduzieren lässt. Entscheidend ist, was Mitarbeitende gesund sowie langfristig leistungs- und arbeitsfähig im Unternehmen hält.

Denn Abwesenheit ist in den meisten Fällen ein Symptom. Hinter einem erhöhten Krankenstand stehen häufig ein hoher Leistungs- und Zeitdruck, fehlende Vertretungsregelungen, Konflikte im Team, Angst vor einem Jobverlust oder eine als ungerecht erlebte Führung.

Präsentismus: Der oft übersehene Kostenfaktor

Ein Chef prüft am Laptop die Abwesenheitszeiten seiner Mitarbeiter.

Neben der klassischen Abwesenheit gewinnt ein weiteres Phänomen an Bedeutung: Präsentismus. Das bedeutet, Beschäftigte kommen trotz gesundheitlicher Beschwerden zur Arbeit oder gehen ihrer Tätigkeit im Homeoffice nach. Häufig geschieht dies aus Pflichtgefühl oder aus Sorge vor negativen Konsequenzen.

Kurzfristig kann dieses Verhalten zwar den Eindruck von Stabilität vermitteln. Langfristig steigt jedoch das Risiko für Fehler und gesundheitliche Verschlechterungen, was zu langen Ausfallzeiten führen kann.

Auch Präsentismus ist ein Signal. Es zeigt, wie stark der Druck empfunden wird und ob Mitarbeitende sich sicher fühlen, Grenzen zu setzen.

Was Mitarbeitende gesund hält

Viele Unternehmen reagieren auf Fehlzeiten mit festgelegten Abläufen: Es gibt beispielsweise klar geregelte Gespräche oder feste Regelungen zur Wiedereingliederung. Diese Vorgehensweisen können Orientierung geben. Sie stoßen jedoch an ihre Grenzen, wenn sie losgelöst von den tatsächlichen Arbeitsbedingungen betrachtet werden.

Viele Unternehmen lösen sich daher zunehmend von der Vorstellung, dass Anwesenheit gleich Leistung bedeutet. Stattdessen gewinnen flexiblere Formen der Arbeitsorganisation an Bedeutung, wie beispielsweise Vertrauensarbeitszeit oder mobiles Arbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei weniger, wann Beschäftigte arbeiten, sondern wie ihre Arbeit organisiert ist, ob vereinbarte Ziele erreicht werden und ob die Zusammenarbeit verlässlich funktioniert.

Vertrauensmanagementist eine Führungshaltung, die Eigenverantwortung ermöglicht, psychologische Sicherheit schafft und gleichzeitig klare sowie realistische Erwartungen an die Leistung der Mitarbeiter setzt. Diese erhalten Handlungsspielräume, die durch klare Ziele und transparente Rahmenbedingungen eingegrenzt sind.

Kollegen unterhalten sich wertschätzend.

Aber Vertrauen entsteht nicht allein durch Strukturen, sondern durch die Führungshaltung und erlebtes Handeln im Alltag.

Wenn Zusagen eingehalten werden, Mitarbeiter erleben, dass ihre Belastungen ernst genommen werden und sie Einfluss auf ihre Arbeit haben, wächst die Identifikation mit den Aufgaben und dem Unternehmen. Und das wirkt sich unmittelbar auf die Motivation, die Leistungsbereitschaft und den Verbleib im Unternehmen aus. Beschäftigte, die sich fair geführt und organisatorisch unterstützt fühlen, zeigen seltener Präsentismus, gehen verantwortlicher mit ihrer eigenen Gesundheit um und bleiben so dem Unternehmen langfristig erhalten.

Führung und Kultur: Wirkung entsteht im Alltag

Anwesenheits- und Vertrauensmanagement ist ohne eine konkrete Führung nicht möglich. Sie zeigt, wie Arbeit organisiert wird, wie Belastungen verteilt sind und ob Mitarbeiter sich sicher fühlen, Probleme anzusprechen. 

Mit diesen Ansätzen wird deutlich: Der Blick auf Fehlzeiten allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Mitarbeitende gesund bleiben, ihre Arbeit gerne ausüben und dem Unternehmen langfristig erhalten bleiben. Um diese Zusammenhänge systematisch zu erkennen, können Abwesenheitsdaten gezielt genutzt werden. Sie sollten jedoch nicht allein im Mittelpunkt stehen.

Mit diesen Tipps können Sie eine gesundheitsförderliche Führung zeigen:

  • Vorbild sein

    Besonders wirksam ist das Vorbildverhalten. Führungskräfte, die selbst krank arbeiten oder dauerhaft erreichbar sind, senden ungewollt das Signal, dass Erholung nachrangig ist. Umgekehrt stärken sie Vertrauen, wenn sie eigene Grenzen sichtbar respektieren.

  • Wertschätzend kommunizieren

    Regelmäßige Gespräche über Arbeitsbelastung, offene Fragen nach Unterstützungsbedarf und ernstgemeintes Zuhören stärken die Beziehungsebene.

  • Arbeitslast realistisch einschätzen

    Ziele sollten gemeinsam überprüft und bei Bedarf angepasst werden, insbesondere nach Personalwechseln oder Projektspitzen. Führungskräfte können Prioritäten klar benennen und bewusst entscheiden, welche Aufgaben warten dürfen.

  • Klare Grenzen setzen

    Erreichbarkeitsregeln, bewusst eingeplante Pausen und klare Aussagen zur Nutzung von Homeoffice schützen vor dauerhafter Überlastung.

Abwesenheitsdaten als Gesundheitsfeedback nutzen

Fehlzeiten liefern wertvolle Hinweise, wenn sie nicht nur dokumentiert, sondern bewusst ausgewertet werden. Häufungen in bestimmten Bereichen, bei einzelnen Tätigkeiten oder nach besonderen Belastungsspitzen sind selten Zufall. Sie können darauf hinweisen, dass Aufgaben ungleich verteilt sind, personelle Ressourcen fehlen oder Mitarbeiter im Umgang mit Belastungen oder der Priorisierung einzelner Arbeitsaufgaben Unterstützung benötigen.

Abwesenheitsdaten lassen sich als eine Form von Gesundheitsfeedback verstehen und dienen als Grundlage für gezielte Verbesserungen. Sie können beispielsweise folgendermaßen vorgehen:

  1. Fehlzeiten regelmäßig analysieren
    Analysieren Sie Fehlzeiten nach Bereichen, Tätigkeiten oder Zeiträumen und setzen Sie sie mit Arbeitsverdichtung, Umstrukturierungen oder Personalengpässen in Beziehung.
  2. Mitarbeiter einbeziehen
     
    Liegt eine Analyse vor, beziehen Sie Ihre Mitarbeiter ein und reflektieren Sie gemeinsam, welche organisatorischen Faktoren Einfluss auf die Abwesenheit haben können.
  3. Ergebnisse transparent kommunizieren
    Informieren Sie Ihre Mitarbeiter nachvollziehbar über festgelegte Maßnahmen, beispielsweise Anpassungen bei Vertretungsregelungen oder Arbeitsmengen.

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