Gesundheitswelt der AOK Sachsen-Anhalt

Osteoporose

Ein älteres, an Osteoporose erkranktes Paar sitzt gemeinsam auf dem Sofa

Trotz Osteoporose fit und aktiv bleiben

Das menschliche Skelett besteht aus etwa 206 Knochen. Sie stabilisieren den Körper, schützen die inneren Organe und sind an sämtlichen Bewegungen beteiligt. Erkranken Menschen an Osteoporose, umgangssprachlich auch als „Knochenschwund“ bekannt, sind die Knochen durch den Abbau von Knochensubstanz geschwächt. Die Knochendichte verringert sich und es kommt schneller zu Brüchen. In Deutschland sind circa sechs Millionen Menschen von Osteoporose betroffen. Frauen (circa 7 Prozent) erkranken dabei häufiger als Männer (circa 2 Prozent). Das Erkrankungsrisiko steigt dabei ab dem 50. Lebensjahr. Allein in Sachsen-Anhalt sind circa 6 Prozent der Bevölkerung von der Diagnose betroffen. 

In unserem Beitrag erfahren Sie mehr über die Ursachen der Erkrankung, den Einfluss von Bewegung und Ernährung auf die Knochen sowie die besondere Rolle von Osteoporose bei Frauen.

Wussten Sie schon, dass…

  • Kalzium und Vitamin D dem Knochenabbau entgegenwirken können?
  • wir Sie mit unserem AOK-Curaplan für Osteoporose unterstützen?
  • Osteoporose lange Zeit für Betroffene nicht spürbar ist?
Eine junge Frau lässt sich von ihrem Arzt zu Osteoporose beraten

Was passiert bei Osteoporose?

Das innere Gerüst der Knochen besteht aus feinen Knochenbälkchen, die der Struktur eines harten Schwamms ähneln. Sie verteilen die Last, die auf Knochen einwirkt. Bei Osteoporose dünnen Knochenbälkchen aus und werden porös. Durch die größer werdenden Hohlräume werden die Knochen instabil und können leichter brechen.

Ursachen und Krankheitsanzeichen 

Die Knochensubstanz unterliegt einem dauerhaften Aufbau, Umbau und Abbau. Diese Prozesse überwiegen etwa bis zum 35. Lebensjahr. Danach folgt ein kontinuierlicher Abbau um 0,5 bis 1 Prozent an Knochenmasse im Jahr. Der Abbauvorgang bei Osteporosebetroffenen ist um bis zu sechs Prozent im Jahr beschleunigt. Besonders gefährdet sind Frauen nach den Wechseljahren, da weniger Östrogen gebildet wird und sich die Knochenmasse schneller abbaut. Osteoporose ist meist lange Zeit nicht spürbar und fällt erst auf, wenn es zum Knochenbruch kommt. Betroffen sind dabei häufig der Oberschenkelhals, der Wirbelkörper oder der Unterarm. Die Brüche werden nach harmlosen Anlässen ausgelöst und mitunter reichen schon normale Alltagskräfte hierfür aus. 

Häufig kommt es zu Brüchen der Wirbelkörper, die sich durch Rückenschmerzen bemerkbar machen, jedoch nach wenigen Wochen wieder verschwinden. Ein Wirbelkörperbruch hat eine veränderte Körpergestalt zur Folge, zieht eine merkliche Verkürzung der Wirbelsäule nach sich und verringert dadurch die Körpergröße. Aufgrund der Schonhaltung kommt es dann zur Entstehung eines Rundrückens. 

Osteoporose erkennen und behandeln

Zunächst erfolgt eine ausführliche Anamnese zur Krankheitsgeschichte, vorangegangenen Knochenbrüchen und zur familiären Vorbelastung. 

Die körperliche Untersuchung dient der Überprüfung der körperlichen Beweglichkeit, Haltung, Schmerzen und einem möglichen Sturzrisiko. Die Röntgenuntersuchung hilft bereits bestehende Knochenbrüche, insbesondere bei vorliegenden, Wirbelkörperbrüchen, zu identifizieren. In bestimmten Fällen ist nach ärztlicher Verordnung zum Ausschlussverfahren auch ein MRT oder CT möglich. 

Ein Arzt bespricht das Ergebnis einer Knochendichtemessung mit einer Patientin

Eine zusätzliche Untersuchung des Bluts, des Leber- und Nierenstoffwechsels sowie Mineralhaushalts kann klären, ob Erkrankungen vorliegen, die Osteoporose begünstigen. Bei Bedarf kann eine Knochendichtemessung durchgeführt werden, um das Knochenbruchrisiko zu bestimmen. 

Bei dieser Untersuchung wird der Mineralgehalt der Knochen üblicherweise an der Lendenwirbelsäule und am Oberschenkelhals mittels spezieller Röntgenuntersuchung, der sogenannten DXA-Methode, gemessen. Sie dient in regelmäßigen Abständen auch zur Verlaufs- beziehungsweise Therapiekontrolle bei bestehender Osteoporose.

Wichtig: Ist eine Knochendichtemessung als reine Früherkennung ohne Krankheitsanzeichen beziehungsweise wegen alters- oder geschlechterbedingter Indikation angedacht, ist die Untersuchung aufgrund fehlender medizinischer Notwendigkeit keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. 

Starke Frauen, starke Knochen: Schutz vor Osteoporose

Meist entwickelt sich eine primäre Osteoporose – ein altersbedingter Knochenschwund ohne eine vorausgehende Grunderkrankung. Frauen erkranken häufiger als Männer an Osteoporose und haben ein deutlich höheres Risiko, wenn sie über 50 Jahre alt sind aufgrund des einsetzenden Östrogenmangels. Diese Hormone werden hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet und sind wichtig für den Aufbau und Erhalt gesunder Knochen. Die maximale Knochendichte wird meist bis etwa zum 30. Lebensjahr erreicht. Nach der Menopause sinkt der Östrogenspiegel deutlich, da die Funktion der Eierstöcke nachlässt.

Eine Frau klagt über Schulterschmerzen aufgrund von Osteoporose

Ein erhöhtes Risiko für einen frühen Östrogenabfall besteht bei vorzeitiger Menopause (vor dem 45. Lebensjahr) oder nach einer operativen Entfernung der Eierstöcke. Dadurch können auch jüngere Frauen betroffen sein, was eine frühzeitige Knochenschwächung und ein erhöhtes Osteoporoserisiko begünstigt. Auch vor dem 30. Lebensjahr kann bereits eine niedrige Knochendichte auftreten. Zu den möglichen Ursachen zählen unter anderem:

  • Essstörungen wie Magersucht
  • Hormonstörungen wie das Ausbleiben der Periode
  • Nährstoffmangel von zum Beispiel Kalzium oder Vitamin D

Wichtig: Haben Sie Beschwerden oder sind unsicher, lassen Sie sich immer fachärztlich beraten. Eine regelmäßige Begleitung durch den Gynäkologen ist wichtig, um hormonelle Veränderungen frühzeitig zu erkennen und möglichen Folgen für die Knochengesundheit vorzubeugen.

Hormonersatztherapie

Ob eine Hormonersatztherapie bei Frauen nach den Wechseljahren sinnvoll ist und wie lange sie angewendet wird, entscheidet immer der behandelnde Arzt. Dafür wird genau geprüft, welche Vorteile die Behandlung bringt und welche Risiken bestehen.

Eine Hormonersatztherapie kann helfen, Osteoporose vorzubeugen, besonders bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche. Sie kommt dann infrage, wenn andere geeignete Medikamente wie Bisphosphonate, Denosumab oder bestimmte selektive Rezeptormodulatoren nicht geeignet sind oder nicht vertragen werden. Nur unter diesen Bedingungen gilt die Verordnung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung als erstattungsfähig.

Studien zeigen, dass die Therapie den Knochenabbau nach den Wechseljahren verlangsamt, die Knochendichte verbessert und damit das Risiko für Knochenbrüche senken kann.

Wie jede Behandlung kann auch eine Hormonersatztherapie Nebenwirkungen haben. Bei längerer Anwendung steigt das Risiko für Blutgerinnsel wie Thrombosen, Lungenembolien oder Schlaganfälle. Auch Erkrankungen der Gallenblase können häufiger auftreten. Je nach Präparat und Dauer kann sich zudem das Brustkrebsrisiko leicht erhöhen, besonders wenn Östrogene und Gestagene kombiniert eingesetzt werden.

Aktiv gegen Osteoporose: Bewegung, Ernährung und Therapie

Osteoporose ist nicht heilbar. Gezielte Behandlungen sollen jedoch helfen, den Knochenabbau frühzeitig einzudämmen sowie den fortschreitenden Abbau von Knochensubstanz zu verlangsamen.  Zur Verringerung des Risikos von Knochenbrüchen richten sich präventive und medikamentöse Maßnahmen nach Form und Ausprägung der Osteoporose, dem Alter sowie dem individuellen Risiko.

  • Kalziumreiche Ernährung: Der Schlüssel zu stabilen Knochen 

    Als Basistherapie ist eine kalziumreiche Ernährungsweise wichtig. Kalzium wird fast ausschließlich im Knochen gespeichert. Wird dem Körper zu wenig Kalzium durch Ernährung zugeführt, werden aus den Knochen Reserven entzogen und das wirkt sich negativ auf die Knochensubstanz aus. Viel Kalzium liefern vor allem Milchprodukte wie Milch, Joghurt und Käse. Auch grüne Gemüsesorten wie Brokkoli, Grünkohl und Fenchel und Blattspinat enthalten den Mineralstoff.

    Wichtig: Spinat liefert zwar Kalzium, aber durch den hohen Oxalatgehalt kann es die Aufnahme im Körper hemmen.

    Zusätzlich findet sich Kalzium in einigen Mineralwassersorten mit einem Gehalt von über 150 mg Kalzium pro Liter. Einigen Lebensmitteln wie Säften oder Frühstücksflocken wird Kalzium gezielt zugesetzt.

  • Gesunder Lebensstil, starke Knochen

    Untergewicht gilt als Risikofaktor für Osteoporose. Die Knochendichte wird aufgrund der Mangelernährung vermindert, sodass dem Knochenstoffwechsel häufig wichtige Nährstoffe fehlen. Aber auch Übergewicht belastet bei jeder Bewegung Knochen und Gelenke. Die AOK Sachsen-Anhalt gewährt einen Zuschuss zu einer individuell abgestimmten Ernährungsberatung nach ärztlicher Verordnung, die gezielt auf Ihre persönlichen Bedürfnisse eingeht. Zudem fördern Schadstoffe im Tabakrauch den Abbau der Knochensubstanz. Die AOK Sachsen-Anhalt unterstützt Sie auch bei der Rauchentwöhnung.

  • Einfluss von Vitamin D

    Der Körper kann den größten Teil des benötigten Vitamin D selbst bilden, weshalb empfohlen wird, so viel Zeit wie möglich draußen zu verbringen. Setzen Sie Ihre Arme, Beine und Gesicht für einige Minuten der Sonne aus, was bereits einen spürbaren Unterschied macht. Trotzdem sollte Sie geeigneten Sonnenschutz achten, da er die Aufnahme von Vitamin D nicht hemmt, wie oft fälschlich angenommen. Zusätzlich liefern fettreiche Fischsorten wie Lachs, Hering und Makrele sowie Eier, Butter und mit Vitamin D angereicherte Milchprodukte wertvolle Nährstoffe.

  • Gezielt ergänzen: Nahrungsergänzungsmittel

    Für eine ausreichende Versorgung können nach ärztlicher Verordnung Vitamin-D-Präparate eingenommen werden, was besonders bei Patienten mit hohem Risiko für Stürze oder Knochenbrüche sinnvoll ist. Zusätzlich ist die Einnahme von Kalziumpräparaten in Form von Pulver oder Brausetabletten als Nahrungsergänzungsmittel möglich.

  • Behandlung mit Medikamenten 

    Ihr Arzt entscheidet welches Medikament, abhängig von jeweiligem Wirkstoff, gegen Osteoporose verordnet wird. Denn es gibt Medikamente, die den Knochenabbau hemmen und Medikamente, die zum Aufbau der Knochensubstanz beitragen. In der Regel ist die Einnahme der Präparate über mehrere Jahre notwendig. Es können Nebenwirkungen wie Hautreaktionen oder ein erhöhter Cholesterinspiegel auftreten. Bei Osteoporosebedingten Schmerzen kann nach ärztlicher Verordnung auch eine Schmerztherapie erfolgen, die häufig den Einsatz nicht-steroidaler Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Diclofenac umfasst. Zudem können muskelentspannende Medikamente eingesetzt werden, um Verspannungen zu lösen und Beschwerden zu lindern. Bei besonders starken Schmerzen ist auch der kontrollierte Einsatz von Opiaten möglich, aber immer unter ärztlicher Aufsicht.

    Beachten Sie: Es gibt Medikamente, die sich ungünstig auf die Knochengesundheit auswirken wie Kortison oder Heparin. An dieser Stelle ist ärztlicher Rat sinnvoll.

  • Stark durch regelmäßige Bewegung 

    Gezieltes Training und Bewegung unterstützen den Prozess Knochenschwund zu verlangsamen, fördern den Knochenaufbau und stärken Ihre Muskelkraft. Gleichzeitig verbessern sie Beweglichkeit und Bewegungssicherheit, stärken Ihren Gleichgewichtssinn und verringern dadurch das Sturzrisiko. Geeignet zur Vorbeugung und Stärkung sind:

    • regelmäßiges Spazierengehen
    • leichtes Lauftraining wie Jogging / Walking
    • Yoga und Thai-Chi
  • Ergänzende Bewegungsmöglichkeiten

    Abhängig von der Körperverfassung wird gemeinsam mit dem behandelten Arzt über ergänzende Bewegungsmöglichkeiten entschieden. Dafür eignen sich Sportarten wie angeleitetes Krafttraining, Schwimmen (stärkt vor allem Rückenmuskulatur), Aqua-Jogging, Wandern, Walking und Radfahren.

  • Physiotherapie und Krankengymnastik

    Mithilfe eines angeleiteten Übungsprogramms wird der Knochenaufbau durch muskuläre Druck- und Zugbelastung gesteigert. Die Rumpfmuskulatur wird gekräftigt und die Wirbelsäule stabilisiert und somit entlastet. Meist werden auch während der Physiotherapie und Krankengymnastik Entspannungs- und Atemübungen kombiniert. Die AOK Sachsen-Anhalt übernimmt die Kosten und unterstützt die Behandlung nach ärztlicher Verordnung und fördert Physiotherapie sowie Krankengymnastik sowie Wassergymnastik.

  • Ergotherapie

    Patienten erlernen während der Maßnahme, wie sie Bewegungen im Alltag besonders gelenkschonend handhaben können. Das Erlernen von gezielten Bewegungsabläufen wie Heben, Bücken oder Aufstehen trägt zur Sturzprävention bei. Nutzen Sie außerdem Hilfsmittel wie Greifhilfen, um Ihre Sicherheit im Alltag zu erhöhen. Osteoporose-Patienten wird so die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, eine bessere Lebensqualität und Selbstständigkeit ermöglicht.

  • Operationen

    Bei Wirbelkörpereinbrüchen können minimalinvasive Verfahren wie die Vertebroplastie oder Kyphoplastie zum Einsatz kommen. Bei der Vertebroplastie wird Knochenzement direkt in den gebrochenen Wirbelkörper eingebracht, um ihn zu stabilisieren. Bei der Kyphoplastie wird der Wirbelkörper zunächst mit einem kleinen Ballon aufgedehnt, um ihn teilweise wieder aufzurichten, bevor Zement eingefüllt wird, was das Einbringen erleichtert. Ein künstliches Hüftgelenk kommt dagegen meist nach einem Oberschenkelhalsbruch zum Einsatz.

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